Detoxen liegt ja eigentlich immer schwer im Trend. Die Idee des Entgiftens ist allerdings alles andere als neu. Schon in der Hatha Yoga Pradipika einer wichtigen yogische Schrift aus dem 14. Jahrhundert, beschreibt der Autor Svatmarama Techniken, die dem Yogi helfen, seinen Körper zu reinigen.

Die Rede ist von den so genannten Kriyas.

Kriyas sind bewusst ausgeführte Handlungen, die Trägheit und Schleim aus dem Körper entfernen sollen. Bei einigen der Übungen kann man das recht eindrucksvoll sehen, bei anderen ist die Wirkung eher auf der energetischen Ebene spürbar.

In der Yogatradition gelten sechs Übungen, die Shatkarma oder Shatkriya als besonders wichtig. Nicht alle sind für den unbeaufsichtigten Hausgebrauch gedacht, manche eigenen sich allerdings bestens, um sie in die eigene Yogapraxis zu integrieren. Als versierter Yogi solltest du von den sechs klassischen Reinigungspraktiken aber zumindest schon einmal gehört haben:

Reinigungsübungen Yoga

1. Dhauti

Dhauti heißt wörtlich „waschen“. Es bezieht sich in erster Linie auf die Reinigung des oberen Verdauungskanals. Dazu zählen ganz simple Dinge wie Zähneputzen oder das Reinigen der Zunge mit einem Zungenschaber. Auch Ölziehen gehört dazu. Dafür nimmt man einen Schluck Sesamöl in den Mund und gurgelt ihn im Mund für einige Minuten hin und her bevor man ihn (inklusive aller Gilftstoffe im Mundraum) ausspuckt. In der Hatha Yoga Pradipika sind auch fortgeschrittene Kriyas beschrieben: Zum Beispiel das Schlucken und wieder Herausziehen von Mullbinden oder absichtliches Erbrechen. Inwiefern diese Techniken für uns westliche Yogis geeignet sind, wird immer wieder diskutiert. Solltest du sie ausprobieren wollen, bitte auf jeden Fall unter Anleitung eines erfahrenen Lehrers.

Wirkung: beugt Krankheiten vor und verschafft ein frisches Gefühl im Mund

Nachmach-Empfehlung: Zähneputzen und Zungenschaben täglich, ein bisschen Ölziehen zwischendurch, wenn du daran denkst.

Zubehör: Siehe Bild Nummer 1, erhältlich im Bioladen deines Vertrauens, Bild Nummer 4 Online oder in der Drogerie.

2. Basti

Hier geht es um den Darm. Und zwar darum, ihn zu „reinigen“. Jawoll, gemeint ist der Einlauf. Mit einem Irrigator aus der Apotheke kann dieser selbst zuhause durchgeführt werden, umfassender ist die Reinigung des Darms allerdings mit einem professionell durchgeführten Hydro Colon.

Die traditionelle Variante von Basti ist besonders spannend: Die Yogis hockten bis zum Bauchnabel im Wasser eines fließenden Gewässer, am liebsten im Ganges. Mit Hilfe eines kleinen Röhrchens im Allerwertesten und Uddiyana bandha, pumpten sie Wasser in den Darm und dann… naja… dann nahm das Ganze fröhlich seinen Lauf.

Wirkung: kurbelt die Verdauung an, bessere Aufnahme von Nährstoffen, gut fürs Immunsystem

Nachmach-Empfehlung: Wende dich an den Heilpraktiker deines Vertrauens. Basti reicht ein- bis zweimal im Jahr völlig aus.

3. Neti

Neti ist meine persönliche Lieblingskriya. Neti heißt ausscheiden und spielt sich in der Nase ab. Hier wird unterschieden zwischen Jala Neti und Sutra Neti. Jala Neti ist das Spülen der Nase mit Salzwasser. Bei leicht schräg gelegtem Kopf schüttet man die salzige Lösung in ein Nasenloch rein und beobachtet, wie sie aus dem andren Nasenloch wieder herausfließt. Hierfür gibt es formschöne Kännchen aus Keramik, meiner Erfahrung nach sind Plastikbehälter aus der Apotheke leichter zu bedienen. Sutra Neti sieht aus als würde man Zahnseide zwischen Nase und Mund benutzen: Man schiebt einen dünnen Plastikschlauch durch die Nase und zieht ihn durch den Mund wieder raus. Am Anfang ist das etwas tricky, den Schlauch durch den Mund rauszufummeln, mit etwas Übung klappt das meistens ganz gut.

Nachmach-Empfehlung: Jala Neti kannst du einfach ausprobieren. Für die Salzlösung 9 Gramm Salz auf einen Liter Wasser verwenden. Ich löse etwa einen halben Espressolöffel Himalayasalz pro Kännchen lauwarmes Wasser auf. Je Nasenloch gibt es ein Kännchen. Sutra Neti solltest du dir erst einmal von einem erfahrenen Lehrer zeigen lassen.

Wirkung: Stimulierung der Nasenschleimhäute und Abtransport von Ablagerungen in der Nase. Beugt Erkältungen vor.

Zubehör: Siehe Bild Nummer 2 und Nummer 3, erhältlich hier oder bei www.satnam.de.

4. Trataka

Für Trataka setzt du dich in einen bequemen Sitz auf den Boden, dunkelst den Raum leicht ab und stellst eine Kerze circa einen Meter von dir entfernt auf Augenhöhe. Dann fixierst du die Flamme der Kerze solange ohne zu Blinzeln, bis die Augen zu tränen beginnen. Wenn du dem Reflex, die Augen zu schließen nicht standhalten kannst, konzentrierst du dich einfach auf das Abbild der Flamme, das du wahrscheinlich noch vor deinem inneren Auge hast.

Nachmach-Empfehlung: Einfach ausprobieren! So oft du willst.

Wirkung: Trataka stimuliert Ajna-Chakra, das so genannte dritte Auge und soll Hellsichtigkeit fördern. Die weniger esoterische Erklärung: Die Übung fördert die Konzentrationsfähigkeit und klärt den Blick.

Zubehör: Eine einfache Kerze.

5. Nauli

Wörtlich „wirbeln“. Die Übung dient der Massage der inneren Bauchorgane durch die Bewegung der Bauchmuskulatur. Die Beine sind gut hüftbreit auseinander, die Knie leicht gebeugt. Stütz dich mit den Händen auf den Knien ab, beug dich nach vorne und atme kräftig und vollständig aus. Jetzt streck die Arme und zieh den Bauch in der Atemleere unter die Rippen, halte auch Mula bandha und senk das Kinn ab. Beginne nun den Bauch wie eine Waschmaschine zu bewegen – ohne einzuatmen. Wenn der Einatemreflex kommt, gibt ihm nach, richte dich auf und wiederhole das Ganze von vorne.

Hier ein YouTube-Video zum besseren Verständnis von Nauli. Ab Minute 4:45 zeigt Yogi Nora, wie das Hin- und Herbewegen der Bauchmuskulatur funktioniert. Es lohnt sich aber auch den Rest anzusehen.

Wirkung: Erzeugt spürbar Hitze im Körper, löst Spannungen im Bauchraum und regt die Verdauung an.

Nachmach-Empfehlung: Gerne täglich, jedoch solltest du zwei Stunden vorher nichts essen. Da die Übung nicht ganz einfach ist, empfehle ich für den Start das Üben mit einem Lehrer.

6. Kapalabhati

Kapalabhati kennst du wahrscheinlich aus dem Yogaunterricht. Es bedeutet „den Schädel zum Leuchten bringen“ oder „den Schädel polieren“. Für Kapalabhati setz dich aufrecht hin, entspanne den Bauch. Atme bequem ein und stoße durch Kontraktion der Bauchmuskeln alle Luft so kräftig und schnell wie möglich durch die Nase aus. Die Einatmung erfolgt von ganz allein. Konzentriere dich nur auf die Ausatmung. Besonders wirksam ist diese Kriya ab 100 Wiederholungen. Gerne dreimal hintereinander. Am Anfang bekommst du davon vielleicht Seitenstechen und vielleicht wird dir schwindelig. Letzteres liegt an der vermehrten CO-Abgabe durch das Ausatmen. Das gibt sich aber mit der Zeit. Kleiner Tipp: Achte auf das leichte Kribbeln, das durch Kabalabhati im Kopf entsteht. Nach der Übung fühlt es sich oft an, als würde der Kopf auf dem Körper schweben.

Wirkung: Unterbricht den Gedankenfluss und wirkt so ausgleichend und beruhigend. Da in kurzer Zeit sehr viel Sauerstoff in den Körper gelangt, macht Kapalabhati so richtig wach. Der Kopfbereich wird von Schleimen und Schlacken befreit, weswegen die Übung auch gut für die Nasennebenhöhlen ist.

Nachmach-Empfehlung: Täglich. Am besten gleich morgens.

Und, bist du neugierig geworden?

Dann probiere am besten aus, welche Übungen dir am meisten zusagen. Ich habe zum Beispiel das Zungenschaben, Kapalabhati und Jala Neti in meine morgendliche Yogapraxis integriert und fühle mich damit super.

In diesem Sinne: Happy Detox, Yogis! Erzählt mir von euren Erfahrungen mit den Kriyas.

Shine bright!
Rebecca

Photo Credit Titelbild: Earl – What I Saw 2.0 via Compfight cc