Erinnerst du dich noch, wann du das letzte Mal länger als einen Tag nichts gesagt hast? Normalerweise reden wir jeden Tag ohne Punkt und Komma. Schon morgens, wenn wir unseren Whatts-App-Chat checken und bei Instagram kommentieren, lassen wir unserem Sprachorgan indirekt freien Lauf. Tagsüber kommen E-Mails, Telefonate und Co. dazu.

Als ich letztes Jahr in Indien während meiner Yogalehrer-Ausbildung einen Schweigetag einlegte, fiel mir auf, dass ich seit meiner Geburt nicht mehr so lang geschwiegen hatte. Ich empfand es als unfassbar angenehm, auf nichts, was um mich herum geschieht, kommentieren zu müssen. Ich lernte an diesem einzigen Tag wie kraftvoll es ist, nicht zu reagieren und einfach nur zu spüren, was andere Menschen und Situationen in mir auslösen.

Mir war klar, dass mein nächster Schritt auf meiner spirituellen Reise das Schweigen werden sollte und so flog ich Ende Dezember nach Bali, um in mich zu kehren, zu schweigen und noch tiefer in mein inneres Universum einzutauchen. Gleich mehrmals wurde mir das Silent Retreat im Dschungel von Ubud empfohlen. Und so mietete ich mich ohne länger nachzudenken dort ein.

Zwischen wilden Pflanzen, Vögeln, Schlangen und anderen Menschen, die sich dieser spirituellen Erfahrung hingaben, fand ich in den nächsten sieben Tagen unglaublich viele reiche Schätze und mindestens genauso viele dunkle Täler in mir.

Das wichtigste, was mich das Schweigen gelehrt hat, kannst du ab sofort in deinem Alltag anwenden.

Dafür brauchst du nicht nach Bali fliegen und noch nicht mal einen Tag schweigen. Lass dich vom heutigen Montagsmantra dazu inspirieren und trete deine eigene spirituelle Schweigewoche an.

Das kannst du sogar, wenn du im Call-Center arbeitest, denn du musst dazu nicht wirklich schweigen, sondern nur eine einzige Sache beobachten.

Nutze diese Woche, um dir bewusst zu machen, wie schnell du Situationen, Dinge und andere Menschen verurteilst.

In meiner Schweigewoche hatte ich Zeit, jeden meiner Gedanken zu beobachten. Ich konnte förmlich sehen, wie meine Augen und Ohren Informationen an mein System weiterleiten, dort Emotionen hochkommen und in Windeseile Gedanken in meinem Geist formen.

Da ich nicht sprechen konnte, hatte ich keine Möglichkeit mein Unbehagen durch Reden zu erleichtern und es auf andere zu abzuschieben. Es dauerte nicht lang, bis ich anfing mich selbst auf das Härteste zu verurteilen und gedanklich zu bestrafen. Autsch!!

Und so konnte ich nicht nur verstehen, wie kraftvoll unsere Worte sind, sondern ich konnte es fühlen.

Mir wurde bewusst, wie sehr wir im Alltag Kommunikation nutzen, um vor uns selbst zu flüchten.

Sobald uns etwas emotional aufreibt, suchen wir bei der nächsten Gelegenheit Austausch. Wir reden mit unserem Partner oder rufen die beste Freundin an. Oft verurteilen wir dann die Situationen oder die Menschen, die unser Unbehagen auslösen. Die Klassiker kennen wir alle: Den Taxifahrer vor uns im Auto anbrüllen, uns über den Service im Restaurant aufregen, die E-Mail des Kunden als unverschämt aburteilen und am besten mit einem gehässigen Kommentar an die Kollegin weiterleiten.

Auf diese Art schützen wir uns wunderbar vor unseren eigenen Emotionen.

Wir schieben unser Unbehagen auf andere und machen sie zu Schuldigen. Der Haken an der Sache ist, dass Verurteilung immer zu einem Gefühl des Getrenntsein führt. Wir füttern damit unseren Egopanzer, der die Idee von „Schuld“ liebt.

Er bäumt sich immer dann auf, wenn Emotionen wie Angst, Wut oder Trauer hochkommen. Und er kommt sogar mit der besten Intention, nämlich dich davor zu schützen, diese Emotionen zu fühlen. Doch ist er gleichzeitig selbstzerstörerisch. Denn mit jedem verurteilenden Gedanken, wächst der Ego-Panzer und verstärkt das Gefühl des Alleinseins und der Angst.

Wenn du meine Beiträge regelmäßig liest, dann weißt du bestimmt schon, dass du dich jeden Tag aktiv für die Angst a.k.a. dein Ego oder für die Liebe a.k.a. die Freude, Expansion, Möglichkeiten, das „Ja, ich kann!“, entscheiden kannst.

Schweigen hilft dir in diesem Prozess, indem es dein Bewusstsein dafür schärft, wie sehr du selbst das Gefühl der Trennung und der Angst in dir verstärkst, indem du verurteilst.

Lass dich deshalb in dieser Woche von meiner Schweige-Erfahrung inspirieren:

1. Beobachte dich, in welchen Situationen dein Schutz-Ego anspringt und Menschen und Dinge abwertet.

2. Ertappe dich, wenn du dich emotional erleichtern willst, indem du dich bei jemandem anderen auskotzt oder abends mit deinem Partner oder deiner Freundin den Tag Revue passieren lässt, indem du dich über die Vorkommnisse aufregen willst. Lösche den zynischen Facebook-Post wieder, den du gerade absetzten wolltest.

3. Übe dich stattdessen im Schweigen. Nimm  ein schönes Notizheft und mache dir Schweigenotizen. Schreib jeden Abend auf, wen oder was du heute verurteilt hast und schreib jeweils daneben, welche Gefühle die Situationen bei dir auslösen. Mach das eine Woche lang.

4. Nach einer Woche blättere deine Notizen durch. Beobachte die Parallelen und schau mal, welche Hauptemotion sich zeigt.

Auf diese Weise schaffst du mehr Bewusstsein für dich selbst. In dir wartet ein weites Universum, das von dir entdeckt werden will und sich mit Hilfe mit deiner Liebe und Zuwendung ausdehnen will.

Nimm dein Montagsmantra zur Hilfe, um dein Bewusstsein in dieser Woche immer wieder zu schärfen:

Indem ich schweige, entscheide ich mich für mich und für die Liebe.

Teile deine Erfahrungen unten in den Kommentaren. Ich freue mich auf dich!

SHINE BRIGHT

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