„Als ich Veganerin wurde, wollte ich weiterhin schöne Restaurants und Cafés besuchen, gutes Essen genießen, duftige Kosmetik sowie roten Lippenstift benutzen und coole Schuhe tragen. Dafür sollte aber niemand leiden.“ Ich glaube, es war dieser Satz von Franziska Schmid, der bei mir vor einigen Jahren einen massiven Blogger-Crush ausgelöst hat.

Lange bevor Fuck Lucky Go Happy das Licht der Welt erblickte, schwirrte Franziska bereits durch die Weiten des Internets und schrieb auf ihren Blog Veggie Love sowie für andere Magazine über die schönen Dinge des Lebens. Heimlich hegte ich große Bewunderung für die Frau, die sich so eindeutig zur veganen Lebensweise bekannte und mit perfekt lackierten Fingernägeln dem Rest der Welt klar machte, dass vegan, öko und fair nicht unbedingt Verzicht bedeutet.

Meine Begeisterung für Franziska ist bis heute nicht kleiner geworden. Inzwischen haben uns persönlich kennengelernt und sind sehr gut befreundet. Doch trotz vieler Frühstücks-Dates, Whats-App-Sprachnachrichten und regelmäßigem Coworken gibt es einige Fragen, die ich ihr noch nie gestellt habe. Und welcher Moment könnte dafür geeigneter sein als der Relaunch ihres sensationell guten Blogs?

Franziska Schmid by Grit Siwonia Titel

Franziska, dein Blog sieht mega aus. Herzlichen Glückwunsch zum Relaunch. Wie fühlst du dich?

Vor allem erleichtert. Von einem Relaunch habe ich schon sehr lange darüber gesprochen, dann alle Pläne wieder begraben und mich auf das Schreiben für andere Medien konzentriert. Nun ist es endlich soweit und meine Nervosität im Vorfeld hätte nicht größer sein können. Gelernt habe ich dabei: mit Perfektionismus steht man sich viel zu oft selbst im Weg und gleichzeitig brauchen manche Dinge einfach ihre Zeit.

Als du vor über fünf Jahren angefangen hast, über Veganismus zu schreiben, war alles noch ganz anders…

Alles hat sich verändert. 2010 wurden mir zwei Fragen sehr, sehr häufig gestellt: „Was isst du denn als Veganerin dann eigentlich noch?“ und „Wie willst Du denn mit einem Blog Geld verdienen?“ Seitdem ist der Beruf eines Content Creators sehr viel normaler geworden und Blogs inzwischen keine Besonderheit mehr. Auch Veganismus hat in den letzten Jahren einen regelrechten Hype erlebt – als ich mich vor acht Jahren für eine vegane Lebensweise entschieden habe, war es riesige Besonderheit, dass zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung über Tierhaltung und Veganismus berichtet. Heute kann man fast keine Zeitung oder Magazin aufschlagen, ohne dass man nicht mit veganer Ernährung oder Rezepten konfrontiert wird. Statt der zwei Fragen höre ich nun viel öfter den Satz: „Ich habe mir kürzlich ein veganes Kochbuch gekauft und schon ganz viel daraus nachgekocht.“

Alles anders also. Das spiegelt sich sich auch in deinem Blog wider. Erzähl uns von deinen Plänen!

Eigentlich hatte ich immer zwei große Wünsche: ein eigenes Magazin haben und City Guides schreiben. Mit Veggie Love habe ich mir damals den ersten Wunsch erfüllt. Nun ist dieses Magazin erwachsener geworden und auch ein wenig schicker. Neben den Themen Mode, Kosmetik und Essen kam nun die Kategorie Reise dazu, so dass Veggie Love in der Gesamtheit der Guide für ein schönes Leben ist. Nur dass meine Definition von schön eben etwas anders ist, nämlich öko, vegan und fair. Veggie Love City Guides wird es in Zukunft auch geben, ich freu mich schon sehr auf die ganzen Recherchereisen. Letztes Jahr habe ich mich zusammen mit meiner Freundin Christina vom zauberhaften Laden loveco an das Konzept Pop-Up Shop gewagt und will mit diesem Format noch sehr viel mehr ausprobieren.

Franziska Schmid by Grit Siwonia I

Du hast dich für eine, wie ich finde, zauberhafte Form des Aktivismus entschieden. Schöne Dinge statt schreckliche Bilder und Horrorszenarien. Wieso?

Ganz einfach: ich mochte schon immer schöne Dinge und die Kommunikation über die positiven Seiten meiner Lebensweise bringen mir sehr viel mehr Freude als der erhobene Zeigefinger und Schreckensbilder. Und nur was mir selbst Freude bringt, kann andere inspirieren. Veganismus, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen sind so schwere und ernste Themen, deshalb verpasse ich ihnen gerne Leichtigkeit und auch Coolness.

Ursprünglich sollte es sogar eine Champagner-Kategorie geben. Wo ist die geblieben und was hatte es damit auf sich?

Eine eigene Kategorie hat Champagner nicht bekommen, dafür wird er immer wieder Gastauftritte haben und der erste ist auch schon in Planung. Champagner verkörpert die ultimative Form von Luxus und Flair. Für viele bedeutet Veganismus Verzicht, ich antworte darauf mit veganem Bio-Champagner. Was viele nicht wissen: Getränke wie Wein, manche Säfte, aber auch Essig und eben Champagner werden oft mithilfe von tierischen Bestandteilen geklärt.

Bei dir gibt es keine Rezepte obwohl du dich intensiv mit dem Thema Food beschäftigst und auch schon zwei Bücher über Ernährung geschrieben hast. Warum nicht auch im Blog?

Als ich in meinen veganen Anfängen im Internet umgeschaut habe, gab es zwar schon einige Foodblogs, aber keinen zum Leben über den veganen Tellerrand hinaus. Weil mir der gefehlt hat, habe ich selbst angefangen, einen zu schreiben. Im Lauf der Jahre (und auch vor dem Relaunch) habe ich mich immer wieder dagegen entschieden, Rezepte mit auf die Seite zu nehmen. Auch wenn ich sehr gerne koche, habe ich beim Schreiben andere Lieblingsthemen.

Sich vegan zu ernähren ist zumindest in Großstädten einfach geworden. Bei Mode und Kosmetik sieht es da anders aus. Wie und wo fange ich am besten an, wenn ich Bad und Kleiderschrank umstellen will?

Bei der Mode ist mein Motto immer Qualität statt Quantität. Lieber weniger kaufen, dafür in langlebige und gute Kleidungsstücke investieren. Den gesamten Inhalt des Kleiderschranks auf einmal zu entsorgen und sich komplett neu einzukleiden, ist null nachhaltig. Lieber schon Vorhandenes auftragen (wenn man das dann noch möchte), spenden, verkaufen oder tauschen. Secondhand oder Vintage zu kaufen, ist die nachhaltigste Form des Einkaufens überhaupt und Tauschparties natürlich. Beim Neukauf auf das Etikett im Kleidungsstück achten. Nicht vegan sind Wolle, Seide, Leider, Daunen und Pelz. Über das Material hinaus finde ich es wichtig, dass die Kleidung unter fairen Arbeitsbedingungen und aus ökologischen Stoffen hergestellt wurde. Die beiden Siegel „GOTS“ und das der „Fair Wear Foundation“ sind dabei die beiden wichtigsten Zertifikate.

Bei der Kosmetik wird es etwas komplexer, weil es dort über die Inhaltsstoffe hinaus leider immer noch die Problematik mit den Tierversuchen gibt. Ich empfehle sehr gerne Naturkosmetik, immerhin ist die Haut unser größtes Organ und darauf will man ja nicht unbedingt irgendwelches Erdöl oder andere potentiell giftigen Inhaltsstoffe auftragen.

Wo shoppst du am liebsten Klamotten?

Hier in Berlin natürlich bei loveco in Friedrichshain (alles öko, fair, vegan), im Online Shop von Jan N’ June (alles öko, fair, vegan) und in München, Stuttgart, Nürnberg, Hamburg oder online bei glore (alles öko und fair, vieles vegan). In München und Berlin ist auch Dear Goods eine sehr gute Adresse. Das war der erste vegane Modeladen in Deutschland.

Welche Kosmetika dürfen in deinem Beauty-Bag nicht fehlen?

Concealer gegen die Augenringe, ein leicht deckendes Make-up, Rouge und Highlighter, Mascara sowie Lippenstift und Lippenpflege. Und natürlich Nagellack.

Franziska Schmid 3 by Grit Siwonia

Deine Top 3 Läden für leckeres Essen in Deutschland?

Hier in Berlin die Speiserei 58, die zum Glück nicht weit von meiner Wohnung ist. Dort muss ich mindestens einmal die Woche frühstücken, sonst bekomme ich Entzugserscheinungen. Das vegetarische Restaurant Cookies Cream ist mein Favorit, das Essen dort ist sensationell – saisonales Gemüse und keine Ersatzprodukte. In München gibt es auch so viele tolle Adressen, bei jedem Besuch gehe ich mindestens einmal ins vegane Deli. Das ist praktischerweise ist es nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt.

Was sollen unsere Leserinnen heute noch wissen?

Ich werde immer wieder gefragt, ob es nicht schwer ist vegan zu leben und wie ich das durchhalte. Ich finde es nicht schwer und ich habe nie das Gefühl, irgendwas durchhalten zu müssen, denn eine vegane Lebensweise ist ja keine Diät oder ein Verzichtsprogramm. Meine Entscheidung war innerhalb weniger Stunden gefällt und seitdem habe ich nie wieder über den Akt der Entscheidungsfindung nachgedacht oder daran gezweifelt. Anstrengend dagegen ist Unentschiedenheit. Und zwar für einen selbst und auch für andere. Einmal hatte ich eine Bekannte, die bei jedem Treffen mit mir darüber diskutiert hat, ob sie nun vegan leben soll oder nicht. Natürlich soll und darf jeder Informationen sammeln, nachdenken und Erfahrungsberichte einholen. Dennoch ist Entschiedenheit offenbar der Faktor, der mir selbst das Leben leicht macht. Kürzlich habe ich bei Jan N’ June ein Zitat gelesen, das ich sehr toll fand und das gut dazu passt:

Don’t make change too complicated. Just begin.

Das Interview führte Rebecca. Mehr über Franziska erfährst du bei Veggie Love.

Bilder: Grit Siwonia