Manchmal glaube ich, meine Kollegin Madhavi hat mindestens einen Zwilling. Im einen Moment trinkt sie Saft in Tel Aviv, im nächsten unterrichtet sie Meditation in Kopenhagen, dann veröffentlicht sie noch ratzfatz einen Artikel auf ihrem Blog Kaerlighed, kocht was Feines, geht selbst zum Yoga und bringt dann noch schnell ihre Kinder ins Bett.

Als sie mir letztens erzählte, dass sie nebenbei noch ein Kochbuch über Makrobiotik geschrieben hat, war ich endgültig davon überzeugt, dass sie doppelt existiert. Ob es daran liegt, dass alle Mütter in Wirklichkeit Superpowers haben oder daran, dass Madhavi durch die vielen Jahre Meditieren unheimlich fokussiert ist, weiß ich nicht. Jedenfalls hat alles, was sie anfasst, Hand und Fuß und ist außerdem immer hübsch anzusehen. Ganz besonders schön ist ihr letztes Werk, ein Kochbuch über Makrobiotik – mit leckeren Rezepten und unheimlich tollen Bildern.

Liebe Madhavi, Glückwunsch zum druckfrischen Kochbuch. Erzähl uns mehr: Worum geht es?

Danke, Rebecca. Es ist total aufregend. In meinem Kochbuch Makrobiotik – In Fülle Leben geht es um eine moderne, undogmatische Form der Makrobiotik. Ich selbst ernähre mich seit 1997 makrobiotisch und möchte mit meinem Kochbuch diese Ernährungsweise mit Leichtigkeit und Stil dem Leser nahebringen.

Makrobiotik bedeutet „das große Leben“ und soll die Leser*innen ermutigen, wieder mehr die eigene Fülle zu erkennen und in die eigene Kraft zu treten. Durch die makrobiotische Lebensweise können wir sehr viel in unserem Alltag beeinflussen, mehr Klarheit, Leichtigkeit und Lebensfreude zurückerlangen.

Makrobiotik, wie spannend. Worauf kommt es an, wenn ich mich makrobiotisch ernähren will?

Du solltest neugierig sein und nicht gleich alles übers Knie brechen wollen. Wenn du dir einmal die Woche vornimmst, ein Gericht in deinen Alltag zu integrieren, dann ist das schon riesig. Es ist wie beim Yoga, da beginnt man ja auch erst einmal sachte. In kleinen Dosen und dann schaust du, wie du dich dabei fühlst.

Nimm dir Zeit, beim Einkaufen und beim Kochen. Schaffe eine liebevolle, erhebende Atmosphäre, denn das ist etwas, das oft nicht beachtet wird. Das Essen immer schön emsig kauen, denn die Verdauung beginnt bereits im Mund. Wie wir kochen und essen, prägt uns und unser Leben. Makrobiotik hat viel mit Entschleunigung zu tun. Und Achtsamkeit.

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Wie bist du selbst bei der Makrobiotik gelandet – und warum immer wieder zu ihr zurückgekehrt?

Bei mir fing es ganz unspektakulär mit einem unscheinbaren makrobiotischen Buch an, das ich auf einem Flohmarkt fand. Ich fand den Titel sehr interessant und von diesem Moment war es um mich geschehen. Ich war auf der Suche nach einer Ernährungsweise, die mich und meinen spirituellen Weg stärkt und meine Meditationspraxis unterstützt.

Wenn ich an meine ersten Jahre zurückdenke, muss ich wirklich schmunzeln. Ich war so dogmatisch! Inzwischen bin ich der Meinung, dass Dogmen einen nur eng machen und nicht dem spirituellen Wachstum dienen. Außerdem wird man so schrecklich asozial, wenn man sich so auf eine Ernährungsweise versteift. Immer schön offen bleiben und das integrieren, was Freude bereitet.

… und da es kein schönes Buch über Makrobiotik gibt, hast du gedacht: Schreib ich es eben selbst. Was waren die größten Herausforderungen, was hat am meisten Spaß gemacht?

Oh, es gibt eine Menge fantastische Kochbücher über Makrobiotik. Nur fand ich, dass es Zeit ist, ein knackiges, modernes makrobiotisches Kochbuch zu kreieren, das einen nicht mit Theorie überfordert. Ich möchte einfach mehr Menschen für die Makrobiotik begeistern. Sie hat ja leider so einen verstaubten Ruf.

Das Schreiben war schon ziemlich fordernd, da es ja keine Geschichten sind, die ich erzähle, sondern schauen musste, wie ich eine komplex erscheinende Thematik runterbrechen kann, sodass man an der Makrobiotik Interesse bekommt.

Und natürlich die Rezepte… Die Fotos und alles Drumherum haben meine Fotografin Maria Schiffer und ich komplett allein gestemmt. Kochen, Shooten, Putzen, Einkaufen. Da kam ich schon sehr an meine Grenzen, doch es hat super viel Spaß gemacht, vor allem, weil Maria für mich eine riesige Stütze war.

Hast du dir das Buchschreiben so vorgestellt?

Wenn ich zurückschaue, hat alles viel Freude bereitet, ich bin mit der Aufgabe total gewachsen. Auch wenn ich es total unterschätzt habe, wie viel Arbeit es ist, ein Kochbuch zu schreiben, bin ich schon dabei, das nächste zu planen…haha! Es ist wie mit dem Kinderkriegen. Man vergisst einfach die Wehen. Auf jeden Fall habe ich jetzt eine Menge Respekt für Menschen, die ihre Kochbücher so liebevoll kreieren, es gibt eine Menge davon. Man sollte es mehr schätzen!

Im Buch geht es auch um Spiritualität. Wie passt das zusammen?

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Ernährung und Spiritualität hängen für mich ganz eng zusammen. Alles, was wir zu uns nehmen, nährt uns. Wir können das stärker beeinflussen, als wir denken. Das fängt schon damit an, wie wir in unseren Tag starten: Greife ich zum Handy und ziehe mir erst einmal alle Grausamkeiten der Welt hinein, oder schaffe ich eine erhebende Plattform für den Tag, indem ich den Tag mit einer Meditation beginne, mich mit meiner Essenz verbinde und von diesem Platz aus in mir in den Tag starte?

Das Gleiche beim Essen: Wenn ich hektisch morgens mit einem Croissant in der einen Hand und einem Coffee-to-go in der anderen zum Bus flitze, habe ich einen ganz anderen Start in den Tag, als wenn ich mir morgens die Zeit nehme, etwas Nahrhaftes in Ruhe zu frühstücken, mein Essen gut zu kauen und mit dieser Ruhe meinen Mitmenschen zu begegnen.  Es kann eine absolut achtsame Praxis sein, die dabei hilft, ausgeglichen, zufrieden und klar durch den Alltag zu schreiten.

Du hast lange Yoga unterrichtet, inzwischen konzentrierst du dich auf Meditation. Wie kam es zu dem Wandel?

Ich habe tatsächlich schon lange vor meinem Yogalehrer-Dasein Meditation unterrichtet. Mit Meditation hat alles angefangen. Ich habe immer gern Yogastunden gegeben, aber Meditation ist meine erste große Liebe. Nach 17 Jahren, die ich Yoga unterrichtet habe, war mir irgendwann klar, dass ich mich nur noch auf Meditation konzentrieren möchte. Ich bin da auf einer Mission:

Ich möchte, dass alle Menschen Meditation in ihren Alltag integrieren, dass sie so selbstverständlich wird wie Zähneputzen.

Dann wird die Welt ein Stück weit friedlicher, denn Frieden, Akzeptanz und vor allem Toleranz, beginnt bei uns selbst. Und das gilt es zu kultivieren.

Wie sieht deine eigene Praxis aus?

Ich meditiere und praktiziere Pranayama jeden Morgen. Es gibt selten eine Ausnahme. Auch, wenn meine Tage stramm gesteckt sind, nehme ich mir immer Zeit dafür, das ist mir sehr wichtig. Ich weiß, dass ich den Tag  dann anders verlebe und für mein Umfeld einfach erträglicher bin. Meine Kinder sind ja schon groß, da ist das natürlich einfacher als mit Kleinkindern.

Asanas übe ich drei bis vier Mal die Woche, manchmal mehr, manchmal weniger. Da höre ich auf meinen Körper, was er braucht, in welcher Phase sich befindet. Ich bin jetzt 41, ich finde es immens wichtig, meinen Geist frisch und klar zu halten. Wie einen Juwel, den man täglich von Staub befreit.

Ich finde es mittlerweile viel spannender, Yoga im Alltag zu praktizieren. Wie gehe ich mit den Menschen um mich herum um, mit der Dame an der Kasse im Bioladen, erkenne ich meine Grenzen, spreche ich klare, friedvolle Worte, wahre ich meine Integrität? Halte ich mich an meine Versprechen? Daran kann ich täglich arbeiten.

Me-Time, Buch schreiben, das Blogging-Business am Laufen halten, Workshops geben und dann auch noch Familie – wie bekommst all das unter einen Hut?

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Haha, das frage ich mich momentan auch. Ich bin ein totaler Workaholic. Wenn ich Spaß an einer Sache habe und das habe ich an allen Dingen, die ich fabriziere, dann habe ich überhaupt nicht das Gefühl, dass ich arbeite. Das ist natürlich fatal, denn keiner sollte 16 Stunden täglich herumrödeln.

Den Blog wuppe ich immer noch komplett allein. Zwar habe ich meine wunderbare Fotografin, die Bilder von mir macht und meine flinke Übersetzerin für die englische Version, doch alles andere ist in meinen Händen. Das ist auch so gewollt, aber natürlich zeitaufwendig.

Ich bin 20 Personen in einer, aber das ist das, was ich so liebe an meinem Job. Ich muss da allerdings ganz streng mit mir sein, deshalb gibt es bewusst gesetzte Zeiten für alles. Für meine Kids, meinen Mann, für mich. Ich verplempere keine Minute.

Was kochst du, wenn es mal ganz schnell gehen muss?

Ich habe immer gekochtes Getreide und auch Bohnen im Haus. Daraus kann ich schon immer eine Menge zaubern. Ein wenig Gemüse dazu,  Algen, fertig ist ein Gericht. Ich koche meist so viel Getreide, dass es für zwei Tage reicht. Ich habe auch immer einen makrobiotischen Snack bei mir. Flink zubereitet sind die Nori Bälle, die halten auch zwei, drei Tage.

Verrätst du uns das Rezept?

Na klar!

Nori Reisbälle

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Zutaten (ergibt 2 Nori Bälle)

1 Blatt geröstete Nori Alge
1 Tasse gekochter Vollkornreis
1 Umeboshi Pflaume
1 kleine Schüssel mit Wasser für die Hände

Zubereitung

Das Noriblatt in vier gleiche Quadrate schneiden. Der Reis sollte noch lauwarm sein. Falls du keinen frisch gekochten hast, nimmst du einfach den Reis, der vom Vortag übrig geblieben ist und dämpfst ihn kurz, damit er ein wenig feucht wird. Befeuchte deine Hände leicht mit Wasser, so bleibt der Reis nicht an deinen Händen kleben. nimm eine Hälfte vom Reis und forme mit beiden Händen eine feste Kugel. nun mit einem Finger ein Loch in diese Reiskugel bohren und die eine Hälfte der Umeboshipflaume in die Mitte hineingeben. Wenn du keine Umeboshipflaume zur Hand hast, kannst du auch einen halben Teelöffel Umeboshipaste nehmen.

Das Loch wieder verschließen. Lege ein Quadrat Noriblatt mit der glänzenden Seite nach oben auf den Reis. lege nun auf der gegenüberliegenden Seite ein weiteres Blatt mit einer Vierteldrehung. Die Hände wieder leicht anfeuchten und beide Blätter mit den Händen um die Kugel legen, bis kein Stück Reis mehr zu sehen ist. Den Ball weiterhin fest zusammenpressen und auf einen Teller legen. Fertig ist dein erster Reisball.

Gibst du eigentlich auch Kochkurse?

Aber ja, für den Herbst und Winter habe ich eine Menge Kochkurse und eine kleine Buchtour geplant. Die Termine sind noch nicht ganz fix, aber auf meinem Blog findet man die Termine, wenn Workshops anstehen.

Danke, liebe Madhavi!

+++ Verlosung +++

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Wir verlosen drei Exemplare von Madhavis neuem Makrobiotik-Kochbuch. Um an der Verlosung teilzunehmen, hinterlasse einfach bis 10.9.2017 unter diesem Artikel oder auf Facebook oder Instagram einen Kommentar (dann bist du mehrfach im Lostopf) und verrate uns, warum du das Buch haben möchtest. Die Gewinner*innen bekommen sofort bei offizieller Erscheinung des Buchs ein Exemplar zugesendet. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.

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Fotos: © Maria Schiffer