Wenn wir uns in den Yogastudios strecken, biegen und verbrezeln, denken wir eher selten daran, dass der Weg zu Yoga sehr viel mehr bereit hält als wir durch Asanas und Meditation lernen können. Karma Yoga, selbstloses Handeln, zum Beispiel ist einer der vier Yoga Wege, die uns Glückseligkeit und Zufriedenheit  versprechen. Karma ist jedoch ein so inflationärer (und oft falsch benutzter) Begriff, dass es Zeit wird für ein bisschen Aufklärung in Sachen Karma. 

Wer ist dieses Karma und wenn ja, wie viele?

Karma ist das Gesetz über Ursache und Wirkung und besagt, dass jede unserer Handlungen eine Konsequenz haben wird.  Das gilt nicht nur für das, was wir tun, sondern auch für unsere Gedanken und Worte. Dieses Gesetz ist vor allem im Hinduismus, im [themecolor]Jainismus[/themecolor] und im Buddhismus präsent, hat aber eine universelle Gültigkeit.

Der Kerngedanke ist, dass alle unsere Handlungen einen Samen setzen und daraus etwas wächst. Aber Achtung! Bei Karma geht es nicht um Schuld und Sühne, Karma an sich ist erst einmal völlig neutral. Wir sind diejenigen, die Handlungen in Kontexte setzen und so entscheiden, was wir aus vergangenem Karma machen. Und noch viel wichtiger: Wir haben es in der Hand, welches gegenwärtige und zukünftige Karma wir schaffen.

Karma in Action – Selbstloses Handeln

Karma ist komplex. Sehr. Grundsätzlich lässt sich aber sagen: Es gibt kein Instant Karma. Das heißt, die Konsequenzen der Handlungen treten nicht sofort, sondern irgendwann ein. Für die, die an Wiedergeburt glauben: Vielleicht sogar in einem anderen Leben.

Aber wenn wir gegenwärtiges und zukünftiges Karma beeinflussen wollen, macht es aber trotzdem Sinn, Gutes für andere zu tun. Das von uns gesäte Karma kommt immer zu uns zurück, deshalb sollten wir immer so handeln, „als hinge das gesamte Gleichgewicht des Universums davon ab“ (Dalai Lama).

Karma Yoga meint also, selbstlos für andere zu handeln und dabei das eigene Ego und die vielen kleinen Bedürfnisse mal einen Gang runterzuschalten. Glücklich werden, indem man andere glücklich macht. Mach das allerdings im Rahmen deiner Möglichkeiten. Mit Pseudo-Nettigkeit und unfreiwilliger Aufopferung ist niemandem geholfen.

Denn: Wenn wir uns in Karma Yoga üben, sollten wir nichts als Gegenleistung zu erwarten. Kurzum: Gib dein Bestmögliches, aber sei nicht enttäuscht, wenn es dann doch ganz anders kommt. Nett sein ist toll und es ist schön, wenn das Lächeln in der U-Bahn erwidert wird. Aber wenn du trotzdem blöd angemacht wirst, dann lächle weiterhin! Entwaffnen durch Freundlichkeit also.

5 Tipps um Karma Yoga zu praktizieren

„Wir sind nur Besucher auf diesem Planeten. Wir sind vielleicht höchstens 90 oder 100 Jahre hier. In dieser Zeit sollten wir etwas Gutes und Nützliches tun.  Wenn wir zum Glück anderer beitragen, dann haben wir den Sinn des Lebens erkannt.“ (Dalai Lama)

Einfacher gesagt, als getan. Hier also ein paar easy Tipps zum Karma Punkte sammeln.

1. Werde dir deiner Handlungen bewusst

Der schwierigste Schritt steht am Anfang: Werde dir über deine Gedanken, Worte und Taten bewusst! Du wirst schnell merken, dass wir uns ganz schön viel um uns selbst drehen und damit beschäftig sind, unser eigenes Leben angenehmer und schöner zu machen. Oder dass wir oft Dinge tun, für die wir etwas Bestimmtes erwarten. Finde heraus, was dir davon eigentlich gar nicht gut tut und wo du ein wenig mehr an andere denken könntest.

2. Jeden Tag eine gute Tat

Die alte Pfadfinder-Regel kommt auch im Karma Yoga gut. Nimm dir erstmal vor, an [themecolor]jedem Tag eine Sache zu tun, die dem Wohle anderer dienen[/themecolor]. Das können manchmal ganz kleine Dinge sein, die gar nicht viel Zeit kosten. Aber suche dir jeden Tag eine Sache, mit der du das Leben anderer bereichern kannst. Zum Beispiel bring deinen Kollegen Schokolade mit oder deinem Liebsten morgens einen Kaffee ans Bett. Du wirst staunen, welche tollen Ideen du nach einer Weile bekommst!

3. Engagiere dich in einem sozialen oder politischem Projekt

Wir müssen nicht an das andere Ende der Welt schauen um zu bemerken, dass Menschen überall und an allen Ecken Hilfe gebrauchen können. Was auch immer dich berührt und dir am Herzen liegt: Mach es zu deiner Sache etwas zu verändern! Gib einem Kind kostenlose Nachhilfestunden, einem Flüchtling Deutschunterricht, dem Obdachlosenheim deine ungenutzten Klamotten oder gehe auf Anti-Kriegs-Demonstrationen. Wem das zu viel Aufwand ist, der kann Vereine und NGOs mit Spenden unterstützen, damit sie ihre wichtige Arbeit machen können.

4. Wünsche anderen das Beste

Kein Geld um zu spenden? Keine Nerven für politische Diskussionsrunden? Keine Zeit für Vorlesen im Altersheim? Dann nimm dir regelmäßig einfach ein paar Momente, um andere Menschen mit guten Wünschen zu segnen. Konzentriere dich ganz auf das Wohlergehen von einer geliebten Person und stelle dir vor, was die Person brauchen könnte. Solche gut gemeinten Wünsche sorgen übrigens auch Wunder bei denen, über die du dich gerade ärgerst!

5. Freu dich drüber und lass los!

Karma Yoga ist nur dann eine runde Sache, wenn du von den Ergebnissen deiner Handlungen loslassen kannst. Also solltest du nach dem Ausschenken in der Suppenküche oder dem Ausstellen des Spendenschecks nicht damit angeben und dafür Anerkennung erwarten. Denn das Schönste, was dir Karma Yoga geben kann, ist die Zufriedenheit. Für andere etwas Gutes zu tun hebt nachweislich die Stimmung und macht uns selbst glücklicher. Menschen, die anderen helfen, strahlen oft sehr viel Zufriedenheit und Glück aus. Also genieße einfach die befreiende Wirkung davon, deine kleine Welt ein bisschen schöner zu machen.

So, ich werde jetzt Kuchen backen für meine Freundin, die später zum Kaffee kommt. Karma Kuchen sozusagen. Ein schöner Beweis, dass Karma Yoga auch dich selbst glücklich macht.

[themecolor]Was ist deine gute Tat für heute? Bin gespannt auf deine Ideen![/themecolor]

[highlight] Janna AljetsJanna Aljets hat Politikwissenschaften und Spanische Philologie in Berlin studiert und arbeitet als Projektleiterin bei einer Umweltschutz-NGO.  Zwischendurch muss sie immer wieder ihren kleinen Rucksack samt Yogamatte schnappen, um in die Welt zu reisen. Am Yoga fasziniert sie das Finden ohne Suchen, der Frieden ohne Kampf und das Gegenwärtige der uralten Schriften. Nicht zuletzt sieht sie Yoga auch als aktive politische Praxis, um das Leben anderer etwas harmonischer zu gestalten.

Sie ist zertifizierte Jivamukti-Lehrerin und unterrichtet bei Peaceyoga Berlin. Und obwohl sie Yoga liebt und lebt, misstraut sie allen zu strengen Dogmen und sagt manchmal auch Fuck it! zur täglichen Meditation, um den Kater von letzter Nacht auszuschlafen. Om Miau! [/highlight]