Wir sind beide ziemlich überrascht von der 70-seitigen Einleitung, die dem 6-Minuten-Tagebuch vorangestellt ist. Wir wollten es doch einfach nur ausfüllen! Aber was Autor Dominik Spenst damit bezweckt, wird schleunigst klar:

Tagebuch führen auf Basis der positiven Psychologie

Der Autor erklärt, wieso er den Aufbau und Inhalt des formularartigen Journals genau so gewählt hat, wie er ist. Aufgebaut ist sein Konzept nämlich auf den Erkenntnissen der positiven Psychologie, die er, bei aller Komplexität des Themas, übersichtlich und knapp für die Nutzer*innen des Tagebuchs darstellt. Gut zu wissen, dass das Langzeitexperiment an der eigenen Persönlichkeit, auf das man sich jetzt einlässt, auch wissenschaftlich fundiert ist.

Selbstreflexion im Tages-, Wochen- und Monatsrhythmus

Für jeden Tag gibt es eine Seite mit sechs immer gleichen Fragen, von denen du je drei morgens und drei abends beantwortest. Ziel der Beantwortung ist es, sich der positiven, schönen Seiten im eigenen Leben schreibend bewusst zu werden.

Wofür bist du dankbar? Was hast du heute Tolles erlebt und in welchen Bereichen hast du noch Entwicklungspotenzial? Wöchentlich beantwortest du außerdem ein Set an Fragen, die dich jenseits davon zum Nachdenken anregen sollen. „Wie lange ist es her, dass du etwas getan hast, wovon niemand (auch du selbst nicht) erwartet hat, dass du es tust?“

Eine wöchentliche Herausforderung wie zum Beispiel “Grüße jeden Tag eine fremde Person” bringt dich dazu, außerhalb deiner Komfortzone zu handeln. Es gibt einen monatlichen Stimmungscheck und tägliche Motivation in Form von Zitaten.

Jule und Uli haben das Buch je zwei Wochen lang getestet und sich im Anschluss gegenseitig zu ihren Erfahrungen damit befragt.1710_6mintagebuch_ulijule

Was ist dein erster Eindruck von dem Tagebuch?

Jule: Ich mag es, dass einem Fragen gestellt werden und man beim Beantworten etwas über sich erfährt, das man sonst vielleicht nicht in sein Tagebuch geschrieben hätte.

Uli: Solide. Wertiges Hardcover mit Stoffeinband, das stellt man sich schon auch später ins Regal. Ich bin ziemlich überwältigt von der Menge an Text in der Einleitung und beschließe, erstmal direkt zum Tagebuchteil vor zu blättern.

Hast du schon vorher Tagebuch geführt?

Jule: Nein, ich bin nicht so der Ich-führe-regelmäßig-Tagebuch-Typ, obwohl ich den Effekt, wenn ich es mal gemacht habe, ziemlich toll finde.

Uli: Wenn ich klassisch Tagebuch führe, fühlt sich das oft zu ausschweifend an. Oder ich will dann einen perfekten, essayistischen Text schreiben und verfranse mich. Daher mag ich dieses Mini-Schnellformat eigentlich ganz gern.

Wie hast du das Ausfüllen erlebt?1710_6minutentagebuch_uli2

Jule: Die wechselnden wöchentlichen Fragen finde ich am spannendsten. Ich gebe zu: Ich war neugierig und habe vorgeblättert, um zu sehen was noch so für Fragen kommen.

Uli: Ich finde es sehr schön, dass ich mit dem Ausfüllen eine Klammer um meinen Tag bzw. meine Nacht setzen kann, als Ritual.

Was hast du über dich selbst gelernt?

Jule: Dass regelmäßige Selbstreflexion, auch von scheinbar unwichtigen Alltagserfahrungen, echt Sinn macht. Und ich bin offenbar sehr dankbar für meine Yoga-Praxis, das steht wiederholt in den Zeilen.

Uli: Meine größte Herausforderung ist es momentan, meine vielen verschiedenen Baustellen und Aufgaben jonglieren zu lernen, ohne permanent davon gestresst zu sein oder kopflos zu multitasken.

Hand aufs Herz: war es leicht oder schwer, am Ball zu bleiben?

Jule: Es war schon nicht einfach, die Zeilen jeden Tag auszufüllen, besonders morgens wenn es stressig ist und ich spät dran bin. Aber es ist ein schönes Ritual. Und man hat das Gefühl was Gutes für sich getan zu haben.

Uli: Eigentlich ganz leicht. Ich versuche, darüber nicht so viel nachzudenken und beim Schreiben intuitiv vorzugehen. Daher kostet es mich wirklich nicht mehr als sechs Minuten am Tag. Manchmal habe ich den Eintrag schon vergessen, aber später nachgeholt. Ist das dann Schummeln?

Wie hat es in den Tagen deine Praxis beziehungsweise Routine verändert?

Jule: Mir ist mein morgendliches Chaos und meine schräge Zeitplanung noch mehr bewusst geworden. Ein guter Trick, um zehn Minuten früher aufzustehen.

Uli: Ich habe gemerkt, dass es entspannender und schlaffördernder ist, den Tag mit dem Buchdeckel zu schließen als mit einem Scroll durch Instagram. Überraschung, was?

Denkst du tagsüber an das Buch und die Inhalte? Wenn ja, woran genau?1710_6minutentagebuch_uli1

Jule: Ja, sehr oft. Und das ist vielleicht die subversive Stärke des Tagebuchs. Dass man seine Gedanken und Handlungen öfters reflektiert. Sich bewusst zu werden, wofür man dankbar ist, halte ich für enorm bereichernd.

Uli: Neulich hatte jemand hinter mir an der Spätikasse sein Geld vergessen. Und ich dachte: Oh, wenn ich das jetzt einfach bezahle, dann habe ich erstens meine gute Tat für heute vollbracht und zweitens die Wochenherausforderung („Tue etwas für eine Person, die niemals damit rechnen würde.“) erfüllt! – Leider hatte ich dann nur selbst nicht mehr genug Geld einstecken. Also ja, die Fragen und Botschaften des Buchs schlagen sich in meinem Alltag nieder.

Was war die spannendste wöchentliche Frage für dich und was ist deine Antwort?

Jule: „Was sind die Top 5 Orte der Welt, an denen du am liebsten leben würdest?“

  1. Tel Aviv –  wegen der Tanzszene, speziell die Batsheva Dance Company und den speziellen Vibes
  2. Valencia – habe dort schonmal ein Jahr gelebt und fand es super; Meer, Sonne und coole Leute
  3. New York – um sich eine Zeit lang von den kreativen Strömungen treiben zu lassen
  4. Neapel – weil es diesen maroden italienischen Charme hat und von Kreativen wimmelt
  5. Es gibt noch so viele Orte, die ich noch sehen möchte und noch nicht kenne, deshalb ist der Fünfte mein Joker

Uli: „Warum hast du Angst vor etwas, das du willst?“

Weil ich scheitern könnte. Weil es möglicherweise bedeutet, jahrelang antrainierte Muster hinter sich zu lassen. Weil das bedeuten würde, sich festzulegen. Obwohl ich schon mehrfach die Erfahrung gemacht habe, dass es sich tausendprozentig lohnt, Ängste zu überwinden, habe ich sie immer wieder.

Was hast du bei euren Gesprächen über Jule / Uli gelernt?

Jule: Uli ist echt diszipliniert mit sowas. Und sie schläft gern. Ich auch, aber das ist mir nicht eingefallen, hinzuschreiben. Wenn man sich mit jemandem über die Antworten austauscht, werden einem auch Aspekte des eigenen Lebens stärker bewusst.

Uli: Jule ist geheimnisvoll! Sie denkt zuerst mehr nach, während ich einfach irgendwie losschreibe.

Fazit: Ist das was für Tagebuchmuffel? Bringt es einen „nach vorne“?

Jule: Ich finde schon. Ich würde das sonst nicht jeden Tag so akribisch aufschreiben. Und beim Schreiben und Formulieren wird vieles klarer als beim immer-wieder-daran denken.

Uli: Wer es liebt, ausführlichste Texte in ein klassisches Tagebuch zu schreiben, sollte das weiter tun. Wer sich ein kleines Schreibritual wünscht, mit dem man langfristig die eigene Weiterentwicklung beobachten und steuern kann – der hat mit dem 6-Minuten-Tagebuch das perfekte Tool.

Unsere Tipps fürs Tagebuchführen mit dem 6-Minuten-Tagebuch

  • Leg das Buch neben dein Bett und den Stift dazu, damit immer alles bereit ist
  • Lies die Einleitung (!)
  • Lass dich nicht zu sehr ins theoretische Grübeln bringen und wäge deine Antworten nicht zu lange ab, sondern versuche, ganz intuitiv zu schreiben
  • Teile die wöchentlichen Fragen mit deinen engsten Freund*innen – daraus entstehen ziemlich gute Gespräche!

Lust, gleich loszulegen? Hier kannst du das Tagebuch bestellen.

Hast du ein Schreibritual? Wie sieht es aus? Schreib uns gerne in den Kommentaren!

Alles Liebe,

Jule & Uli

+++ Verlosung +++

Wir verlosen drei Exemplare des 6-Minuten-Tagebuchs. Um an der Verlosung teilzunehmen, hinterlasse einfach bis 5.11.2017 unter diesem Artikel oder auf Facebook oder Instagram einen Kommentar (dann bist du mehrfach im Lostopf) und verrate uns, warum du das Buch haben möchtest. Die Gewinner*innen bekommen dann ihr Exemplar zugesendet. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.

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Fotos: © Lydia Hersberger