Donnerstag, 7.00 Uhr morgens. Zeit aufzustehen, zu duschen und zum Yoga zu radeln. Soweit ein normaler Donnerstag Morgen. Als ich auf dem Rad sitze und nach der Klasse nach Hause fahre, denke ich darüber nach, was ich jetzt zum Frühstück essen werde. Bis mir ein Gedanke aufblitzt und mich erinnert: Es wird kein Frühstück geben, sondern nur einen Saft und viel Tee.

Sieben Tage flüssige Pflanzenpower

Ein Juice Cleanse stand schon lange auf meiner Wunsch-To-Do-Liste. Ich war einfach schon lange neugierig darauf, eine Form des Fastens auszuprobieren. Im Rahmen der FLGH-Detoxwoche habe ich ihn endlich ausprobiert. Der Cleanse meiner Wahl: 7 Day Cleanse von Daluma.

Der Daluma-Juice Cleanse geht sieben Tage. Jeden Tag trinkt man vier Flaschen Saft. Die Sorten kann man aus acht verschiedenen Säften auswählen und nach eigenen Wünschen zusammenstellen. Nicht jeder verträgt beispielsweise einen obstlastigen Saft am Morgen.

Entspannender Nebeneffekt: eine Woche lang keine Gedanken in die Nahrungsbeschaffung und die Frage „Was soll ich kochen?“ zu investieren.

Die Saftquelle: GOOD NATURE X1

Meine einzige Planungsaktivität bestand darin, die Säfte noch am Tag der Pressung abzuholen, um das Maximum an Nährstoffen aus den hochwertigen Biozutaten zu bekommen. Und die vielen Glasflaschen auf dem Fahrrad von Mitte nach Neukölln zu transportieren. Dalumas Saftpresse hört auf den mysteriösen Namen Good Nature X1 und wringt Gemüse und Obst ohne nährstoffzerstörende Hitze und Sauerstoffzufuhr aus.

Von pasteurisierten Säften aus dem Supermarkt würde ich dir für einen Juice Cleanse abraten, da hier kaum gesunde Nährstoffe enthalten sind.

Nicht zu unterschätzen: das Davor

Das Fastenprogramm beginnt mit Entlastungstagen: Man nimmt zunehmend leichtere Nahrungsmittel zu sich. Alkohol, tierische Produkte, Brot, einfache Kohlenhydrate, industriell verarbeitete Lebensmittel und Süßigkeiten gehören schon ein paar Tage vorher runter vom Speiseplan. Wer sich ohnehin pflanzenbasiert ernährt, muss gar nicht so viel ändern, außer vielleicht ein bisschen weniger und nicht spät abends zu essen.

Hydro-Colon – Reinigung von innen

Mit einer Darmreinigung habe ich meinen Körper auf den Nahrungsentzug vorbereitet. Das hat vor allem den Zweck, einen möglichen nagenden Hunger zu vermeiden. Statt einem Einlauf zu Hause habe ich mich für eine Colon-Hydro-Behandlung entschieden – eine Art professionelle Darmspülung, die von einigen Heilpraktikern angeboten wird, wie zum Beispiel von Yesha Karmeli in seiner Naturheilpraxis.

Ich habe eine Colon-Hydro-Behandlung einen Tag vor Beginn des Cleanse gemacht und auf die Empfehlung von Yesha hin noch eine zweite am fünften Tag.

Mission: leerer Kühlschrank

Mein Projekt vor dem Beginn des Saftfastens: Feste Nahrung aus dem Kühlschrank zu verbannen, um sich nicht unnötiger Versuchung in Momenten eines irritierten Geistes auszusetzen. Ich war danach geradezu verliebt in den Anblick meines fast leeren Kühlschrankes, der nur die bunten Säfte in eckigen Glasflaschen und ein paar Zitronen für das morgendliche Zitronenwasser sowie eine große Ingwerwurzel beherbergte.

Das Line-Up der Flüssigkeiten

Morgens vor dem ersten Saft habe ich einen halben Liter Zitronenwasser getrunken und anschließend einen Immun-Chai – eine Mischung mit Schwarzem Tee. Meine Rettung vor den Koffein-Entzugserscheinungen, vor denen ich schon Horrorvisionen hatte? Zu meiner großen Verwunderung blieben diese völlig aus.

Hunger hatte ich eigentlich nie; und auch die Essgelüste waren nach den ersten zwei Tagen verstummt und ploppten nur noch ganz selten auf. Auch wenn ich kein echtes Hungergefühl erlebt habe, verfeinert sich die Wahrnehmung für körperliche Signale.

Danach: achtsames Essen

Die Aufbauphase nach dem Juice Cleanse verlangt fast noch einmal mehr Aufmerksamkeit als das reine Saft-Trinken. Die Versuchung ist zu trügerisch: Einfach drauf los zu essen, weil man sich freut, dass es geschafft ist. Denn in den vergangenen sieben Tagen hat die Verdauung geschlummert und die Darmflora muss erst wieder an ihre eigentliche Aufgabe herangeführt werden.

Das Buch „Reboot with Joe – Die Saftkur” von Joe Cross hat mir ein Bewusstsein dafür gegeben, die erste Nahrung bedacht auszuwählen. Man kann gut mit Smoothies und Suppen anfangen, und langsam gedünstetes Gemüse und Obst hinzunehmen. Bei mir gab es an Tag zwei gedünsteten Apfel mit Zimt und Wasser. Was langweilig klingt, kam einer Geschmacksexplosion gleich. Vor allem aber habe ich versucht zu spüren, wonach mein Körper verlangt.

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Warum ein Cleanse Sinn machen kann

Eine Saftkur ist eine Art Reset für das Bauchhirn. Warum die Darmgesundheit Dank einiger populärwissenschaftlicher Bücher nicht mehr so stark zu den Tabuthemen gehört, wird klar: Etwa 80 Prozent des Immunsystems befinden sich im Darm.

Durch die Funktion als Kommunikationszentrum steht der Darm in ständigem Austausch von Nährstoffen und Informationen. Die zahlreichen Nervenbahnen senden Informationen direkt an das Gehirn und verdienen so die Bezeichnung Bauchhirn. Sophie von Gallwitz erklärt diese Zusammenhänge sehr ausführlich in ihrem Buch Let’s Juice.

Zucker- oder Fasten-High?

High von Tag eins an. Ob das ausschließlich an der Fruktose im Saft lag oder am Nicht-Essen kann ich nicht sagen. Von mieser Laune durch Nahrungsentzug gab es jedenfalls keine Spur. Obwohl ich wahnsinnig viel Energie und großen Bewegungsdrang hatte, war ich ausgeglichener und entspannter als sonst. Fasten wirkt auf das vegetative Nervensystem und lässt den Vagusnerv dominieren. Dieser Nerv gehört zum parasympathischen Nervensystem und schaltet uns auf Ruhe, Entspannung und Erholung.

Wie entgiftend die Fruktose-Dröhnung tatsächlich für unsere Leber ist, bleibt kritisch zu hinterfragen. Die Leber hat schließlich vollauf zu tun, diese Zuckermengen wieder abzubauen. Rational betrachtet weiß ich, dass das andauernd hohe Fruktose-Level keine guten Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel hat.

Süß wird immer süßer

Die Säfte erschienen mir von Tag zu Tag süßer, obwohl sie durch einen hohen Gemüseanteil bei normalen Essgewohnheiten nicht wahnsinnig süß schmecken. Durch den Nahrungsverzicht wird das Geschmacksempfinden aber immer sensibler. Ich hatte gehört, dass solche Saftfasten-Kuren Unverträglichkeiten lindern können und wollte das gern ausprobieren. Ich habe dem Saft Run Forest eine Chance gegeben, trotz ein bisschen Spinat, den ich normalerweise gar nicht vertrage. Und der Versuch verlief erfolgreich.

Der frühe Vogel… und eine beflügelte Yoga-Praxis

Als ausgesprochene Nachteule war ich begeistert davon, wie früh und leicht ich morgens aufgewacht bin und auch scheinbar weniger Schlaf brauchte, um fit zu sein. Ganz euphorisch über die unglaubliche Energie ging ich in dieser Woche genauso in Yogaklassen wie sonst auch. Selbst mein oft sensibler Kreislauf hatte keine Aussetzer.

Ich schwebte von einer Vinyasa in die nächste, lediglich meine Oberschenkelmuskeln ermüdeten manchmal etwas schneller und hatten einen Mini-Muskelkater. Nie zuvor habe ich das Üben so frei, elastisch und mühelos empfunden.

Mehr Wertschätzung

Auch wenn ich den Juice Cleanse als sehr unbeschwert und energiegeladen erlebt habe, habe ich dennoch über meine grundsätzliche Beziehung zum Essen nachgedacht. Ich habe mich noch mehr aufs Kochen danach gefreut. Der erste Lebensmitteleinkauf nach dem Cleanse war ein beglückendes Erlebnis, und nicht nur ein lästiges ToDo.

Die Erkenntnis, dass die Welt aus Essen besteht, wenn man gerade nicht daran teilnehmen kann, hat mir die verbindende soziale Dimension von Essen im positivsten Sinne in Erinnerung gerufen. Und wie schön es ist, gemeinsam mit Freunden zu essen; manchmal bereichernder, als zuviel  über die gesündeste und ‚beste’ Ernährungsform nachzudenken.

Ich habe diese Zeit als unglaublich intensiv und dicht erlebt und sie hat mir viel Raum und Zeit geöffnet, über Dinge nachzudenken, die sonst von der alltäglichen Hektik verschluckt werden. Ich hatte das Gefühl, eine Woche lang in einer anderen Zeitlichkeit zu leben; die Tage schienen mir länger und intensiver. Die Musik in meine Kopfhörern war plötzlich lauter und hatte mehr Ebenen und Nuancen, die mir sonst nicht aufgefallen sind.

Note to self: Den nächsten Juice Cleanse mache ich vielleicht lieber im Sommer. Bei den vier kalten Säften am Tag vermisste ich bald etwas Warmes. Das konnte ich mit heißem Ingwerwasser und noch mehr Tee aber ganz gut ausgleichen. Wer die Säfte lieber selber pressen möchte, findet Rezepte und Anregungen im Buch Super Säfte von Erin Quon und‎ Briana Stockton, sowie in den beiden anderen erwähnten Büchern.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Saft-Fasten? Ich bin neugierig zu lesen, wie verschieden die Erfahrungen sein können.

Alles Liebe,
Deine Jule

Disclaimer: Den Saft für Juice Cleanse habe ich freundlicherweise von Daluma zu Verfügung gestellt bekommen. Meine Juice Cleanse-Woche ist eine persönliche Erfahrung, die bei dir ganz anders ablaufen kann. Bevor du eine solche Woche einlegst, informiere dich auf jeden Fall umfasssend und sprich mit deiner Ärztin/deinem Arzt.

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Fotos: © Rebecca Randak

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