Gerade jetzt, da die California’s Juicing Culture ihre Wurzeln fest in den Berliner Boden gebohrt hat und das Klientel von ihren teuren kaltgepressten Säften überzeugt hat, versuchen uns zahlreiche Artikel gegen das Entsaften zu belehren.

Das erinnert mich sehr an die 70er Jahre, als man, den Ratschlägen der populärwissenschaftlichen Literatur und den Medien folgend, anfing fettarm zu essen. Die Lebensmittelindustrie rettete den Geschmack der fettlosen Produkten, indem sie diese mit tonnenweise Zucker zuschüttete. Heute essen wir fettarm, zuckerfrei, glutenfrei, luftfrei.

Einige Menschen haben ein leichtes Verhältnis zum Essen, andere sind wählerisch und kämpfen mit jedem Bissen.

Die moderne Lebensmittelindustrie, die groteske Massentierhaltung, Gesundheitsratschläge, Klimawandel, etc. haben uns die ganze Geschichte mit dem Essen eindeutig verkompliziert und das Essen von uns entfremdet. Dabei sind wir, um überleben zu können, auf andere Lebewesen/Lebensmittel angewiesen. Das Essen ist ein Zyklus, ein Austausch mit der Welt und nicht das Ausgrenzen von ihr.

Durch diese zeitgenössischen Moraldebatten, die gesundes Essen propagieren (dabei ist gesund ein sehr komplexes Attribut!) verlieren wir regelrecht die Idee davon, was wahres Essen ist und warum es wichtig ist, individuell zu erforschen, welche Essgewohnheiten für uns die besten sind. Wir müssen anders essen lernen!

Nachdem wir eine natürliche Beziehung zum Essen aufgebaut haben, ändern sich die Zutaten auf dem Teller von alleine. 

Das Ändern von Essgewohnheiten ist eine Sache der Psychologie und nicht der Ernährungswissenschaft. Wir investieren viel zu viel Energie darin um zu verändern, was wir essen, anstatt uns darauf zu konzentrieren, was wir unserem Essen gegenüber empfinden: wie reagieren wir auf Hunger, welche Lebensmittel beeinflussen unseren Schlaf oder was fühlen wir, wenn man uns eine zu große oder zu kleine Portion serviert? Unser ganzes Vorhaben, gesünder zu essen, geht unter, weil wir uns bemühen, viel Gemüse zu essen, das Gemüse aber nicht genießen.

Seit unserer Geburt lernen wir zu essen.

Wir lernen, wie wir unseren Hunger stillen, wann wir mit dem Essen aufhören müssen und welches Essen giftig oder gut für uns ist. Und gerade das ist eine wunderbare Eigenschaft. Wir können unseren Geschmack ändern und unser eigenes Ernährungsmuster entwickeln.

Um sich den allmächtigen Geschmacksverstärkern der Lebensmittelindustrie zu entziehen, reicht wahrscheinlich nicht nur das Selbst-Kochen (obwohl es ein großer Schritt in die richtige Richtung ist). Die Schwierigkeit liegt eben nicht nur darin, dass wir verlernt haben die Lebensmittel selbst zuzubereiten oder anzupflanzen.

Wesentlicher ist, dass wir vergessen (oder nie gelernt) haben, wie man isst, um die eigene Gesundheit zu unterstützen und Freude zu erwecken.

Wenn wir erkennen, dass das Essen ein gelerntes Verhalten ist, wird uns klar, dass die eigentliche und zugleich sehr schwierige Herausforderung darin besteht, nicht Informationen über die Inhaltsstoffe zu büffeln, sondern das Erlernen der neuen Gewohnheiten (und das Loslassen der alten). Minimal verarbeitete Lebensmittel, pflanzliche Ernährung, regelmässige Bewegung. Das kennen wir alle schon. Wie wir es runterschlucken- das müssen wir lernen!

So habe ich die Gewohnheit, Falafel zu frittieren, abgelegt. Die Grundzutaten habe ich auch gleich geändert. Es hat geklappt! Es schmeckt fabelhaft, sieht toll aus und ist sehr nahrhaft! Probiere es aus. Mahlzeit für Mahlzeit.

Deine Nikolina
www.ritual-cuisine.com

Rezept: Brokkoli-Falafel mit frischem Salat und Tahinisoße

Brokoli-Falafel

Die Zutaten (für 2 sehr hungrige Personen):

  • 1 kleineren Brokkoli, seine Röschen
  • 1 Zwiebel, fein geschnitten
  • 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • 50 g Kichererbsenmehl
  • 1 1/2 TL Cumin, gemahlen
  • 1 1/2 TL Ingwer, gemahlen
  • 1/2 TL Schwarzkümmel
  • 1/2 TL Chiliflocken
  • Ein Stückchen Ghee oder Kokosfett
  • 20 g Sesam, weiss, schwarz oder kombiniert (ich habe kombiniert)
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack

Zubereitung:

  1. In einer Pfanne das Stückchen Ghee oder Kokosfett erhitzen und die gewaschene und geschnittene Zwiebel hinzu geben. Die Zwiebel etwa 2 min. anbraten, dann die Gewürze und den Knoblauch dazugeben. Gut vermischen und weitere 5 min. auf mittlerer Temperatur dünsten, bis die Zwiebeln weich geworden sind. Wenn die Zwiebeln fertig sind, die Pfanne vom Herd nehmen und kühlen lassen.
  2. Während die Zwiebeln kühlen, die gewaschenen Brokkoli-Röschen entweder in heißem Wasser kurz kochen oder in einem Dampftopf dämpfen. Der Brokkoli soll nicht zu lange kochen, nur bis er al dente ist.
  3. In einer größeren Schüssel die Brokkoli mit einer Gabel zerdrücken, bis alle große Stückchen verschwunden sind. Das Kichererbsenmehl und die gedünsteten Zwiebeln mit Gewürzen dazugeben und gut vermischen. Die Masse kurz mit der Hand verarbeiten, bis ein klebriger, aber nicht zu weicher „Teig“ entstanden ist. Den Teig für 20 min. in den Kühlschrank stellen, damit er fester wird. Den Ofen an machen und auf 200 C vorheizen.
  4. Aus dem Teig kleine „falafelartige“ Kügelchen formen und jedes einzelne mit Sesam umhüllen und auf ein mit Backpapier bedecktes Blech nebeneinander legen.
    Die Falalel für ca. 20-30 min. (hängt vom Ofen ab) backen, bis sie von außen leicht knusprig sind.

Tahinisoße

Die Zutaten:

  • 2 EL weißes Tahini
  • 2 TL Wasser
  • 2 TL Zitronensaft
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt

Zubereitung:

  1. In einer kleinen Schüssel alle Zutaten vermengen und mit einer Gabel mischen, bis eine glatte Soße entstanden ist.

Salat

*Eigentlich kann man mit dem Salat experimentieren. Im Frühling passt frischer, grüner Salat gut, im Sommer eine Kombination mit Tomaten, Gurken und frischer Paprika. Ich habe mich für die folgende Variante entschieden, weil Radicchio und Chicorée dem ganzen Ensemble eine wunderbare, knackige Frische verleihen. Und diese Farben!!!

Zutaten:

  • Ein paar frische Radicchio Blätter, gewaschen
  • Ein paar frische Chicorée Blätter, gewaschen
  • Handvoll frische Petersilie
  • 1 kleine Zwiebel (oder Frühlingszwiebel), fein geschnitten
  • 1 Avocado, fein geschnitten
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL Zitronensaft
  • 1 EL Ahornsyrup, oder Honig
  • Salz und Pfeffer, nach Geschmack
  • Chiliflocken, nach Geschmack

Brokkoli-Falafel mit frischem Salat und Tahinisoße- alles zusammen:

  1. In den Servierschüsseln zunächst den Salat arrangieren und mit Olivenöl, Zitronensaft und Ahornsyrup beträufeln. Die Tahinisoße, Avocado, Zwiebel und Petersilie darauf verteilen. Zum Schluss die Brokkoli-Falafel dazugeben und mit Chiliflocken bestreuen. Guten Appetit!