Am 22.September ist es wieder soweit – Tag und Nacht sind gleich lang – es ist Equinox oder Mabon, wie es traditionell heißt. Mabon ist eines der vier Sonnenfeste im Jahreskreis (dazu gehören die Tagundnachtgleichen und die Sonnenwenden) und es entspricht von seiner Qualität her dem Sonnenuntergang im Kreis. Es ist der Moment, in dem die Dämmerung langsam einsetzt, der Sommer zu Ende geht und der Winter vor der Tür steht.

In den alten Zeiten, in denen noch Göttinnen verehrt wurde, hielt das Fest bis zum ersten folgenden Vollmond an – dieses Jahr folgt Mabon direkt dem Neumond am 21. September, also haben wir besonders viel Zeit Dank zu sagen. Es war auch ein Moment, wo man sich bewusst mit den Ahnen verbunden hat – deren Ernte man ja quasi selbst ist – und Dank gesagt hat. Es ist ein Moment des Rückbesinnens auf die Wurzeln, die ja den Winter überdauern, um dann neu zu sprießen. Um Dank zu sagen, nahm man die besten Früchte der Ernte und weihte sie den Göttern und Ahnen.

Die Schwelle zur Dunkelheit

Es ist aber auch der Moment, an dem wir bewusst über die Schwelle treten können, hinein in das Ungewisse, das noch im Dunklen liegt. Während die Schwelle im Frühjahr gerne und mit Freude überschritten wird, verbinden viele mit der Schwelle zum Winter hin auch gemischte Gefühle. Wir verbinden den Winter oft mit Dingen wie Schwere, Kälte, Dunkelheit, Isolation oder sogar Tod. Im Kern bedeutet der Winter nichts anderes als eine Zeit zur Einkehr, um sich zu besinnen und nach Innen gehen.

Den Namen Mabon hat das Fest der Geschichte von Mabon, den Sohn von Mellt und Modron. Mellt befruchtete die Erde mit seinen Blitzen und so wurde Mabon geboren. Nach drei Nächten verschwand er und die Erde litt furchtbar, bis ihn drei Tiere, Amsel, Hirsch und Eule, in der Anderswelt, der Bauchhöhle von Mutter Erde fanden. Ganz ähnlich zu dieser Geschichte ist auch die von Demeter und Persephone. Als Folge dessen musste Hades Persephone wieder freigeben. Allerdings hatte sie in der Zwischenzeit 6 Granatapfelkerne gegessen und musste so jedes Jahr sechs Monate in der Unterwelt verbringen. Und so verfällt Demeter jeden Herbst wieder in ihre Trauer um ihre Tochter, lässt alles verblühen und verdorren. Im Frühling, wenn Persephone wieder zu ihr kommt, freut sie sich so sehr, dass die ganze Welt erblüht.

Die Waage halten

Nicht von ungefähr fällt die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche mit dem Beginn des Sternzeichens Waage zusammen. Oft wird mit der Waage Harmonie, Schönheit und Diplomatie in Verbindung gebracht. Im tieferen Sinne geht es aber um das Gleichgewicht, das hinter allen Dingen verborgen ist und welches zur wahren Harmonie dazu gehört. Über die Jahrtausende sind einige Kernelemente für die Feierlichkeiten der Tagundnachtgleiche von Generation zu Generation und Tradition zu Tradition weitergegeben worden, welche du auch für dich anwenden kannst, um diesen Tag zu begehen.

Dank sagen

Suche dir einen Ort in deiner Wohnung, an dem du einen kleinen Altar zum Danksagen platzieren kannst. Als Untergrund reicht dazu eine wunderschöne Servierte oder ein Tuch. Dieses kannst du mit Früchten wie Äpfeln und Kürbissen schmücken, mit Nüssen oder Kastanien, Hopfen und Weinlaub oder auch mit Ähren, Blumen und den ersten fallenden Blättern. Du kannst rote Kerzen dazu stellen und die Fülle der eingeholten Ernte sichtbar machen. Zum Danksagen kannst du auch bis zum nächsten Vollmond (5.Oktober) abends einen Apfel aufschneiden, den du deinen Vorfahren, der Göttin oder wer für dich passend ist weihst. Dabei kannst du benennen, für was du dankbar in deinem Leben bist und alles was dir einfällt ist erlaubt. Den Apfel gibst du am nächsten Morgen in die Natur (oder als Großtstadtbewohner in die Grünecke). Anstatt eines Apfels kannst du auch Samen, Nüsse oder Blumen nehmen. Ich danke zu dieser Zeit immer auch bewusst meinen Ahnen dafür, dass ich auf dieser Erde wandele. Denn ohne sie wäre ich nicht hier. Und wähle mir für jeden Tag etwas, das ich nochmals bewusst wahrnehmen möchte – und sei es die Tatsache, dass ich fließend Wasser und Strom habe und die heiße Dusche und das Licht zum Lesen im Bett genieße.

Give away

Besonders in den Momenten, wo wir intensiv Dank sagen wird uns oft bewusst, wie viel wir haben. Der perfekte Moment auch darüber klar zu werden, was gehen darf. Sammele deine alten Bücher und gib sie an deine Nachbar (ich stelle sie in den Flur) oder lass sie mit einem Gruß in der U-Bahn liegen. All die Kleider die du diesen Sommer nicht getragen hast, dürfen anderen Freude bereiten. Deko, die auf dem Dachboden vergammelt, kannst du weitergeben. Versuche wirklich zu geben und nicht zu verkaufen. Denn das Schöne daran ist, dass wir nicht nur uns befreien, sondern auch anderen eine Freude machen.

Nach dem Materiellen darfst du selbstverständlich auch Immaterielles gehen lassen. Wenn wir schauen, für was wir dankbar sind, bemerken wir oft auch, für was wir nicht dankbar sind – und dann lohnt es sich dort näher hin zuschauen, warum eigentlich nicht. Ist es vielleicht an der Zeit loszulassen? Schreibe dir die Dinge auf kleine Zettel und verbrenne sie über deiner Altarkerze, um sie symbolisch gehen zu lassen. Wenn wir Platz machen, dann kann sich das, für was wir dankbar sind ausdehnen und mehr werden. Und dazu will ich nicht nein sagen! Und wenn du tiefer einsteigen willst, dann ist the metamorphosis genau das richtige für dich.

Überschreite die Schwelle

So wie du klarer wirst was dich dankbar macht und was du gehen lässt, wirst du auch bereiter, die Schwelle zur Unterwelt zu betreten. Die Unterwelt ist die Zeit der Einkehr und der Ruhe. Und der Moment, an dem wir auch in unsere Dunkelheit schauen können. Suche dir dazu einen ruhigen Ort an dem du ungestört bist. Sammele dich und dann nimm dir ein paar Momente und denke an die dunklen Aspekte deiner eigenen Seele. Gibt es einen Schmerz, den du schon lange gehen lassen willst? Gibt es Frust oder Ärger aus der Vergangenheit? Gibt es jemanden, der dich verletzt hat, aber du hast nicht gesagt, wie du dich fühlst? Jetzt ist der Moment, an dem du diese Energie nehmen und verwandeln kannst. Frag dich, wozu es gut ist an den Emotionen oder Gedanken zu hängen. Welchen Vorteil verschafft es dir? Sei dabei ehrlich zu dir selbst. Mir geht es in solchen Momenten manchmal so, dass ich laut anfangen muss zu lachen, wenn mir die Absurdität meiner selbst gewählten Dunkelheit klar wird. Falls es dir auch so geht, lass es raus.

Indem du Schritt für Schritt weiter in die Dunkelheit vordringst, wirst du merken, dass sie gar nicht so dunkel ist und so schwer, wie gedacht. Wenn die Vorhänge erst einmal gelüftet sind kann die Dunkelheit sogar angenehm und ruhig sein. Für einen Rahmen, kannst du dir eine Kerze anzünden und am Ende räuchern, um das Alte zu lösen. Zur Beendigung des Rituals kannst du die Kerze ausblasen.

 Freude und Fülle für alle

Ich werde den Tag voller Freude und Fülle verbringen und mich an dem erfreuen, was die Erde uns alles schenkt. Da ich dieses Jahr in der Wüste von Arizona bin, wird es etwas anders ausfallen als gewöhnlich. Mabon ist ein wunderbarer Tag um mit anderen zusammen zu kommen, Blumenkronen zu tragen, selbst-gebackenen Apfelkuchen zu genießen, Brot aus dem eigenen Ofen zu essen oder eine wunderbare Kürbissuppe zusammen zu schlürfen. Tauscht euch über das aus, wofür ihr dankbar seid, bringt „Give away-Geschenke“ mit und spürt die Fülle und Liebe. Zum Sonnenuntergang hin könnt ihr gemeinsam Kerzen anzünden und euch damit daran erinnern, dass ihr gegenseitig füreinander in der Dunkelheit leuchtet. Solange, bis die Sonne wiederkommt. Und mit dieser Gewissheit lässt es sich gut und erfüllt in die dunkle Jahreszeit gehen finde ich.

Alles Liebe,

KAJA

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