“Eine ganze Woche?” In den Augen meiner Freundin blitzt nackte Panik auf. “Aber wieso?” Mein Vorhaben, sechs Tage kein Essen zu mir zu nehmen, wirft viele Fragen auf. Noch kann ich ihr keine eindeutigen Antworten geben. Ich weiß nur: Ich will das mal ausprobieren. Angst habe ich keine, aber stelle mich auf alle Eventualitäten ein und räume mir den Kalender für die FLGH-Detoxwoche frei.

Während Rebecca im Diätdschungel nach pflanzlichen Proteinen sucht und Jule vor lauter Clean-Juice-Kick wie ein Flummi über Wolken hüpft, esse ich einfach gar nichts. Da Fasten aber alles andere als eine Null-Diät ist, habe ich mich ordentlich informiert und auch meinen Bruder, der Arzt ist, konsultiert. Hier habe ich meine Erfahrungen für dich zusammengefasst.

Der Speiseplan

Genaugenommen dauert das Fasten nicht nur eine Woche, sondern drei. Man muss den Verdauungstrakt vorher entlasten und hinterher langsam wieder an feste Nahrung gewöhnen. Alkohol und Koffein lässt man während der ganzen Zeit am besten weg.1711_buchinger_säfte

>> Buchtipp: Hierfür habe ich mich an Fasten – Der praktische Begleiter für Ihre Fastenwoche gehalten

Entlastungstage

  • eine Woche vorher: kein Kaffee und kein Alkohol; extra viel Wasser und Tee
  • zwei Tage vorher: stark verkleinerte Portionen und keine verarbeiteten Lebensmittel
  • mein “letztes Abendmahl”: kleine Portion Sauerkraut und Quinoa und ein kleiner Schlag Apfelmus zum Nachtisch

Fastentage

  • morgens: Tee, eine Zitronenspalte auslutschen, ein Teelöffel Honig
  • immer: Tee, Tee, und – ach ja: Tee
  • hier und da eine Zitronenspalte
  • mittags: Fastensuppe: ¼ L Gemüsebrühe aus saisonalem Biogemüse. Das Gemüse wird nach dem Kochen abgeseit, Salz ist tabu
  • abends: Fastensaft: ⅛ L Gemüse-/Obstsaft nach Gusto mit ⅛ L Wasser vermischt, langsam gelöffelt

Aufbautage

  • morgens: wie Fastentag, plus ein Apfel ganz langsam und zeremoniell verspeist
  • mittags: wenig Süßkartoffel-Kokossuppe und selbstgebackene Fastencracker
  • weiterhin Unmengen an verschiedenen Tees
  • abends: nochmal ein klitzekleines bisschen Suppe
  • am zweiten Morgen: statt Apfel eine Miniportion Porridge aus Haferflocken, Kochdinkel und Apfel

Mein Fastenwoche-Tagebuch

Das Fasten schickt mich durch verschiedene emotionale Zustände. Hochs und Tiefs waren anders verteilt als erwartet. Und das Beste? Kommt natürlich zum Schluss!1711_buchinger_gemüse

Tag 1: Los geht’s

“Gott, ist das widerlich!” Ich trinke zum Fasten-Kickoff einen halben Liter Glaubersalzlösung abwechselnd mit Pfefferminztee und Zitronensaft, um meinen Darm zu entleeren. Bäh. Sobald der Darm aber leer ist, verschwinden die Hungergefühle.

Es ist ein bisschen, als hätte man gerade eine Grippe hinter sich und gönnt sich noch einen Tag Entspannung auf der Couch, weil man sowieso krankgeschrieben ist. Ich trinke Tee, arbeite ein wenig, lese und gucke eine Serie.

Tag 2: Entspannung pur

Eins ist mir jetzt schon klar: Das grausige Glaubersalz zu trinken wird das Schlimmste an dieser Fastenwoche gewesen sein. Ich habe gut geschlafen, fühle mich natürlich nicht wahnsinnig stark, aber bewegen geht gut. Viel frische Luft ist auch sehr wohltuend.

Mittags mache ich eine Siesta mit Leberwickel – heißes feuchtes Tuch und Wärmflasche auf die Leber, eine Stunde schlummern – ein Traum! Nur das Treppensteigen in den vierten Stock strengt mich unglaublich an. Nach dem abendlichen Yin Yoga bin ich sehr entspannt.

Tage 3 und 4: Wie lange noch?

Definitiv die härtesten meiner Fastentage. Ich habe seit drei Nächten Alpträume. Passiert hier auch ein mentaler Detox? Beim Aufstehen wird mir schwindelig. Gut dass ich keine Verpflichtungen habe – ein wenig arbeiten geht trotzdem. Ich bekomme Besuch von ein paar Freundinnen, wir gehen spazieren und mummeln auf der Couch.

Besonders fies: die Gelüste auf Essen. Im Fernsehen futtert jemand einen Donut und ich kann stundenlang an nichts anderes denken. Bestelle mir als Kompensation eine Tortillapresse zum Tacos selbermachen, die ich schon länger beäuge. Außerdem gönne ich mir eine Thaimassage.

Tage 5 und 6: Wer hat an der Uhr gedreht?

Die Alpträume sind vorbei. Ich habe mir ein wenig Sorgen gemacht, ob ich meine 8-Uhr-Yogaklasse überhaupt unterrichten kann. Daher gönne ich mir einen extra Teelöffel Honig zum Frühstück. Während des Unterrichts vergesse ich aber fast, dass ich einen leeren Magen habe. Die mittägliche Fastensuppe schmeckt immer intensiver und leckerer. Ich nehme an, meine vom typischen Salzüberfluss taube Zunge hat sich ein wenig erholt. Treppensteigen: immer noch hart.

Am sechsten Tag gehe ich sogar in eine 90-minütige Yogaklasse bei Dana, die es in sich hat. Danach fühle mich wahnsinnig gut. Als ich an Tag sechs ins Bett gehe, denke ich: Huch, morgen darf ich schon wieder essen? Wow, das ging ja schnell.

Tag 7: Fastenbrechen

Ich stehe gemütlich auf, mache mir einen Tee und bereite meine Yogaklasse für den Abend vor. Dann schneide ich meinen Apfel fürs Fastenbrechen auf. Ich merke, wie ich das Essen fast hinaus zögere, als wollte ich noch länger in meiner Blase bleiben. Als ich meinen Apfel Spalte für Spalte kaue, werde ich plötzlich emotional. Stolz, Erleichterung? Vielleicht noch ein letzter Rest Gefühls-Detox.

Den Vormittag verbringe ich damit, meine Wohnung in Ordnung zu bringen und Fastencracker zu backen. Dann räuchere ich alles mit Salbei aus und fühle mich extrem energiegeladen, wie ein neuer Mensch. Auch abends gehe ich mit einem so aufgeräumten Gefühl ins Bett wie lange nicht.

Das waren die häufigsten Fragen zum Buchinger-Fasten

Mein Umfeld fand die Fastenwoche fast genauso spannend wie ich selber, und einige Fragen kamen immer wieder. Vielleicht hast du die gleichen – deshalb hier nochmal meine Antworten dazu.fasten collage

Warum hast du das gemacht?

Es war sicher viel Neugier, die mich dazu getrieben hat. Im Nachhinein weiß ich aber, dass der Hauptgrund folgender war: Die Zeit, die ich mir genommen hatte, würde gezwungenermaßen geprägt sein von Langsamkeit, Ruhe und einem einfachen, sehr geregelten Tagesablauf ohne Ablenkung. Etwas, das ich seit meinem Einstieg ins Freelancerleben zugegebenermaßen ein wenig vermisst habe.

Hast du abgenommen?

Ja. Aber zwei der vier Kilo habe ich spätestens morgen wieder drauf. Man wiegt einfach mehr, wenn Magen und Darm voll sind. Beim Buchinger-Fasten geht es nicht darum, in möglichst kurzer Zeit viel abzunehmen und dann wieder zur Tagesordnung überzugehen. Die Idee ist eher, es als Startpunkt für eine bewusstere, achtsamere Ernährung zu sehen.

War es schwierig, durchzuhalten?

Eigentlich nicht. Wenn man etwas so Radikales macht, dann gibt es keine Momente von Na gut, der eine Bissen schadet ja nichts. Ich wusste: Sobald mein zuvor sorgfältig entleerter Magen-/Darmtrakt irgendetwas Festes erwischt, produziert er Verdauungssäfte und damit Hungergefühle. Natürlich kann man nicht erwarten, genauso viel zu schaffen wie sonst und muss dementsprechend planen. Andernfalls wird das nichts.

Hast du dich krank gefühlt?

Die offenbar häufig auftretenden Kopf- oder Nierenschmerzen hatte ich nicht. Nur schwach habe ich mich gefühlt und musste auf meinen Kreislauf achten. Sonnengrüße machen schwummrig im Kopf und die Gliedmaßen schlafen schneller ein als sonst.

Wie war das mit dem Abführen?

Ich habe das Glaubersalz gut vertragen, wenn man mal von dem Geschmack absieht. Außerdem habe ich mir jeden zweiten Tag einen Einlauf gegeben, um Liegengebliebenes im Darm loszuwerden. Eine Freundin hatte mir in einem Gespräch die Angst vor dem Einlauf genommen und ich kann nur bestätigen: Das ist echt nicht eklig oder schlimm.

Was war das Beste an der Sache?

Die Ruhe in der Woche und das unfassbar energiegeladene Gefühl von Neustart, das ich nach dem Fastenbrechen hatte. Und dass man, wenn man nicht so viel über Essen nachdenkt, mehr Augenmerk auf andere alltägliche Abläufe und Muster legen und erkennen kann, wo man den Fokus verloren hat oder sich selber im Weg steht.

Machst du das wieder?

Vielleicht nicht nächsten Monat, aber grundsätzlich kann ich es mir vorstellen. Gerne zusammen mit anderen. Ich stelle mir so ein schönes gemütliches Haus auf dem Land mit offenem Kamin vor.

Was rätst du mir, wenn ich auch heilfasten will?

Informiere dich vorher ausführlich. Mach Platz in deinem Kalender. Sei offen und erwarte nichts. Variiere deine Brühe- und Saftrezepte, wie dir danach ist. Und mach es nicht, nur um schnell abzunehmen.

Fazit: Einmal Reset, bitte!

Ich schreibe diesen Text während des dritten Tags meiner Aufbauphase. Noch kommt mir die Idee, etwas nicht Selbstgekochtes zu essen, befremdlich vor. Ich portioniere meine Mahlzeiten sehr vorsichtig und gestern bin ich völlig irritiert durch die Supermarktregale gewandert, weil ich von der Auswahl komplett überfordert war.

Meine Fastenwoche hat mich aber nicht nur essenstechnisch gelehrt, mich auf das Wesentliche zu besinnen. Ich fühle mich auch sehr darin bestärkt, meinen kompletten Alltag zu scannen und auszumisten und habe wieder viel mehr Fokus und Sinn für Prioritäten. Meine Festplatte ist defragmentiert. Und das tut unglaublich gut.

Noch Fragen? Andere Erfahrungen? Ich freue mich über deine Kommentare!

Deine Uli

Buchtipps:

  • Fasten – der praktische Begleiter für Ihre Fastenwoche von Dr. Ulrike Borovnyak und Dr. med. Eduard Pesina: Hier wird jeder einzelne Tag sehr ausführlich beschrieben, es gibt Anleitungen für Rituale, sinnvolle Übungen und natürlich Rezepte
  • Buchinger-Heilfasten von Dr. med. Andreas Buchinger: nicht ganz so detailliert in der Tagesgestaltung, liefert dafür aber interessante Hintergründe zu den Abläufen, die beim Fasten im Körper passieren
  • Was die Struktur/Inhalte des Programms anbelangt, sind beide Bücher fast deckungsgleich

Übrigens: Wie es Jule und Rebecca während ihrer Detoxwoche erging, kannst du auch bald auf dem Blog nachlesen! Stay tuned…

Disclaimer: Diese Beschreibung ist keine vollständige Anleitung zum Heilfasten und ersetzt auf keinen Fall, dass du dich ausführlich informierst, mit deiner Ärztin / deinem Arzt sprichst und Fachliteratur zum Thema besorgst, bevor du selbst eine Heilfastenwoche einlegst. Sie spiegelt meine persönliche Erfahrung wieder und es kann gut sein, dass es dir ganz anders ergeht.

Dieser Artikel enthält affiliation-Links (das heißt wir verdienen eine kleine Provision, falls du eines der Produkte kaufst und FLGH kann für dich kostenlos bleiben).

Fotos: © Carsten Rasche

Das könnte dich auch interessieren: