Jahrelang schlich ich um die Dynamische Meditation von Osho herum. Die faszinierende Meditationstechnik, die im Idealfall in der Gruppe geübt wird und einen zumindest am Anfang ganz schön aus der eigenen Komfortzone rauskatapultiert. Ich hatte sie ein paar Mal ausprobiert und seitdem vor, mich endlich bei Ali und Krisana, den zauberhaften Leitern des Osho Studios in Berlin, für den 21-Tage-Prozess anzumelden.

Es dauerte etwa fünf Jahre. Im Dezember war es dann endlich soweit und ich stand drei Wochen lang täglich (!) um viertel nach Sieben auf meiner zusammengefalteten Yogamatte, um Seite an Seite mit etwa 30 Anderen die Dynamic zu üben. Seitdem bin ich mehr denn je davon überzeugt:

Die Dynamische Meditation ist Gold wert.

Denn innerhalb der Stunde, in der du fünf verschiedene Phasen durchläufst, erfährst du ziemlich viel über dich selbst. Vor allem, welche Denkmuster und Annahmen dich zurückhalten, in Kontakt mit deiner Lebensenergie zu kommen. Durch die Meditation wirst du unweigerlich mit besagten Mustern, unterdrückten Gefühlen und typischen Verhaltensweisen konfrontiert – und hast die Möglichkeit, diese im sicheren Raum zuzulassen und zu durchbrechen.

Laut Osho brauchen wir moderne Menschen eine Meditationstechnik, die zu unseren Lebensumständen passt.

Das macht Sinn. Heutzutage haben wir ein ganz anderes Stresslevel und müssen mit völlig anderen Umwelteinflüssen klar kommen als vor einigen Tausend Jahren, also der Zeit, in der die meisten traditionellen Meditationstechniken entstanden sind. Weil wir „modern man“ (and woman) so unter Druck stehen, ist es für uns schwieriger einen meditativen Zustand zu erreichen. Die Chance am stillen Sitzen zu scheitern, ist somit relativ hoch. Osho gibt uns eine Alternative: Bevor wir still sind, nutzen wir verschiedene Techniken, um den Kopf freizukriegen und Spannung aus dem Körper abzubauen. Auf diese Weise entsteht eine Art natürliche Leere, in der Meditation geschehen kann.

Vor diesem Hintergrund hat er die fünf Stufen der Dynamischen Meditation entwickelt.

In der ersten Phase geht es ums Aufladen. Praktisch heißt das zehn Minuten lang „deep, fast, chaotic breathing“ durch die Nase. Anders als bei Pranayama folgt diese Atmung keinem bestimmten Rhythmus. Das hilft, bewusst zu bleiben. Die verschiedenen, ständig wechselnden Atemmuster sprechen unterschiedliche Gefühle an, die in der muskulären Struktur des Körpers gespeichert sind und nun an die Oberfläche kommen.

Phase zwei, die Katharsis, fängt genau das auf. In den nächsten zehn Minuten darfst du alles rauslassen, was sich angestaut hat: „Consciously going mad“ heißt schreien, Kissen verprügelt, weinen, tanzen, sprechen, singen – solange du in deinem eigenen Space bleibst und die Anderen in Ruhe lässt, ist alles erlaubt. Am Anfang kann es ganz schön befremdlich sein inmitten von fremden Leuten so richtig die Sau rauszulassen. Das legt sich aber mit der Zeit.

Jetzt wo der alte Mist aus dem System ist, kannst du in Phase drei mit deiner Lebensenergie in Kontakt kommen. Die Idee ist, die Aufmerksamkeit vom Kopf in das „sex center“, das zweite Chakra bzw. den Sitz der Geschlechtsorgane, sinken zu lassen. Das geschieht durch zehnminütiges auf und ab Springen mit erhobenen Armen. Man landet ganz flach auf den Füßen, so dass die Vibration des Aufpralls sich bis zur Basis der Wirbelsäule fortsetzt. Beim Landen macht man zusätzlich den Laut „Huh!“ Relativ anstrengend, aber hey: „Jump into your life!“

Jetzt sind Körper und Geist bereit für Phase vier, die Meditation. Nach zehn Minuten stoppt die Musik abrupt und gibt das Zeichen, umgehend alle Bewegung einzustellen. Die Energie ist jetzt auf dem Höhepunkt und soll sich in den folgenden 15 Minuten nach innen ausbreiten. Der Clou ist, die kleine Lücke zu erwischen, die sich beim Stopp auftut, auf jedes Schlucken, Hüsteln und Räuspern zu verzichten und einfach nur zu beobachten, was passiert. Klingt einfach, ist es aber nicht immer.

Wenn die Musik wieder sanft einsetzt, beginnt die fünfte Phase, die Celebration, ein Element, das wir oft bei Osho finden. Jetzt heißt es: Tanzen und das Leben feiern. Etwas, das wir ohnehin viel zu selten machen. Die letzte Phase dauert auch 15 Minuten und ist eine Art Brücke von der Meditation zurück in die Welt.

Obwohl es jeden Tag das gleiche Programm ist, fühlt sich die Dynamic jeden Tag anders an. Meine Erfahrung ist, dass es noch nicht einmal von äußeren Umständen wie ausreichend Schlaf abhängig ist, wie es am nächsten Morgen läuft. Mal war es ganz leicht, mal konnte ich die Meditation kaum aushalten und mal fand ich das Tanzen supernervig. In jedem Fall war es immer interessant zu beobachten, was die Meditation so alles an die Oberfläche bringen kann.

This is a meditation in which you have to be continuously alert, conscious, aware. Whatsoever you do, remain a witness.

Osho (Quelle)

Idealerweise übt man die Dynamische Meditation 21 Tage am Stück.

Der Geist ändert nicht von heute auf morgen die Richtung und das ohnehin nur ungerne. Osho erklärt, dass wir die ersten sieben Tage brauchen, um anzukommen, die nächsten sieben, um die neue Dimension zu erfahren, die sich uns durch die Meditation offenbart, und weitere sieben, um uns dort ganz zuhause zu fühlen (Quelle). Wichtig ist es dabei, keinen Tag auszulassen und immer zur Meditation zu erscheinen. Besonders, wenn wir kurz vor einem Durchbruch stehen, lässt sich der Geist die wildesten Dinge einfallen, um diesen zu verhindern. Verschlafen oder wilde Parties sind zum Beispiel ein beliebtes Mittel, um sich selbst zu überlisten und doch in alten Mustern zu bleiben. Wer dranbleibt, merkt wahrscheinlich schon bald:

Die Dynamische Meditation kann das eigene Leben auf vielen Ebene verändern.

„Meine Depressionen sind seitdem viel besser.“ „Ich bin ein anderer Mensch und habe meine Wut im Griff seit ich regelmäßig zu Dynamic gehe.“ „Mein Körper hat sich grundlegend verändert.“ Sätze wie diese habe ich im Zusammenhang mit der dynamischen Meditation oft gehört. Ich selbst habe nach kurzer Zeit eine Art Sog gespürt, regelmäßig zur Dynamic zu gehen. Ich finde es sehr angenehm, einen festen Rhythmus zu haben, etwas, was mir normalerweise schwer fällt. Außerdem ist es eine gute Sache, morgens erst einmal in den Kosmos herauszubrüllen, was einem auf den Herzen liegt, und dann die eigene Lebensenergie zu aktivieren. Was genau die Meditation mit einem macht, muss allerdings jeder selbst rausfinden.

Wo kann ich die Dynamische Meditation üben?

Am besten übt man Dynamic in der Gruppe. Natürlich kannst du, wenn du mit dem Ablauf vertraut bist, auch zuhause die Musik aufdrehen und loslegen. Die Gefahr, dass das die Nachbarn das weniger gut finden, ist groß. Am besten du googlest mal, wo die Dynamische Meditation in deiner Gegend geteilt wird.

Diese Zentren kann ich empfehlen:

  • Osho Meditation Studio in Berlin: Ali und Krisana sind großartige Lehrer, denen es wie nur wenigen anderen gelingt, einen Raum zu schaffen, in dem man sich sicher, willkommen und akzeptiert fühlt. Die beiden haben direkt von Osho gelernt und halten sich beim Teilen der Meditationen an seine Vorgaben.
  • Osho UTA: Auch im Osho UTA in Köln werden regelmäßig die klassischen OSHO Meditationen unterrichtet. Außerdem Workshops, Weiterbildungen und Einzelberatungen. Ich habe nur Gutes von diesem Center gehört.
  • Osho Leela in München. Auch hier gibt es die klassischen Osho Meditationen und Workshops.
  • Und natürlich das OSHO International Meditation Ressort in Pune, Indien.

Es ist gut möglich, dass es in anderen Städten, tolle Therapeuten gibt. Ich kenne sie nur leider nicht, deshalb sind sie hier nicht gelistet.

Mehr über die Dynamische Meditation erfahren:

Auf der Webseite osho.com gibt es unzählige Videos, Talks und Links vom Meister selbst. Außerdem:

Es gibt unheimlich viele Bücher von Osho, eigentlich alles Transkripte seiner zahlreichen Talks. In diesen geht es um Meditation:

Wenn du herausfinden willst, ob die OSHO Meditationen was für dich sind, hilft nur ausprobieren. Am besten, du startest mit der Kundalini Meditation, der Schwestermeditation der Dynamic. Eine wunderschöne Meditation, für die man nicht so weit aus der eigenen Komfortzone raus muss wie für die Dynamic und die man auch ohne ein sieben- oder 21-tägiges Commitment besuchen kann.

In diesem Sinne: Happy meditating!