„Wie entwickelt sich die Gesundheit von Menschen? Dies ist das Geheimnis, das die salutogenetische Orientierung zu enträtseln versucht.“

Aaron Antonovsky

 

Das Geheimnis um die Gesundheit des Menschen motivierte Dr. med. Janna Scharfenberg dazu, Medizin zu studieren. Sie merkte jedoch schnell, dass die vorbeugenden und ganzheitlichen Aspekte in der klassischen Schulmedizin häufig zu kurz kommen. Deshalb entschied sie sich während des Studiums für verschiedene Weiterbildungen in Ayurvedischer Medizin, Naturheilkunde sowie Yoga und Yogatherapie. Heute arbeitet sie als Gesundheitscoach, Ernährungberaterin, Yogalehrerin und medizinische Dozentin bei Yoga Teacher Trainings.

Sie liebt Faszien-Yoga und die ayurvedische Morgenroutine. Und ist davon überzeugt, dass Gesundheit sich sehr individuell gestaltet: Was für den einen gut ist, muss nicht zwangsläufig auch für einen anderen Menschen passend sein.

Ihr Wissen gibt sie in Yogalehrer*innen-Ausbildungen und ihrem eigenen Online-Kurs Ayurveda für Yogalehrer*innen weiter.

Salutogenese, was ist das eigentlich genau?

Es geht dabei um die Frage, wie wir unsere persönliche Gesundheit fördern und Erkrankungen vorbeugen können. Ich denke, dass den meisten von uns daran gelegen ist, ein gesundes und vitales Leben zu führen. Doch viele Menschen wissen gar nicht, dass es sehr effektive und einfach umsetzbare Möglichkeiten gibt, um Krankheiten vorzubeugen und eigenverantwortlich in den Heilungsprozess zu gehen.

Krankenhäuser, Medikamente und „Reparaturen“ sind richtig und wichtig – aber nur wenn sie wirklich notwendig sind. Noch besser ist eine ganzheitliche Kombination!

Du hast eine umfassende Ausbildung in ayurvedischer Medizin bei einem indischen Arzt absolviert. Wie bist Du zum Ayurveda gekommen?

Über meine erste Yogalehrerin. Sie hat uns in ihrem Unterricht viel über Ayurveda erzählt, immer wieder Tipps einfließen lassen. Zum Beispiel zum Thema Ernährung. Das fand ich unglaublich spannend. Auch, dass man diese Gesundheitshinweise einfach mit nach Hause nehmen und für sich ausprobieren kann. Da habe ich beschlossen, dass ich raus aus dem klassischen weißen Kittel und einen anderen Weg einschlagen will.

Aus ayurvedischer Sicht: Was machen denn die meisten von uns falsch?

Ein generelles Falsch gibt es nicht. Aber man kann schon sagen, dass der Lebensstil, den viele Menschen heutzutage führen, nicht mehr unserer ursprünglichen Natur entspricht. Dabei spreche ich von Dingen wie: Zu wenig schlafen, zu viel Online sein, ständig arbeiten, sich zu wenig Zeit beim Essen lassen und zu viel Convenient Food verzehren. All das verbraucht unabhängig von der individuellen Konstitution eine Menge Energie, die durch regenerierende Elemente im Lebensstil nicht wieder aufgefüllt wird.

Du verbindest verschiedene Ansätze aus der komplementären Medizin mit dem Yoga: Gibt etwas, was du besonders empfehlen kannst?

Nein. Denn jeder Körper, jeder Organismus arbeitet ganz individuell und hat sehr individuelle Bedürfnisse. Für manch einen ist die roh-vegane Ernährung das Richtige, ein anderer Körper braucht eher die warmen Suppen aus der chinesischen Medizin. Für den einen ist es gut, sich mal aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen und komplettes Neuland zu betreten. Und zu manchen Menschen passt eine langsamere Herangehensweise besser.

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Detox, roh-vegane Ernährung, Yoga und Energierarbeit: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit kann auch stressig sein.

Auf jeden Fall! Ich beobachte, dass es vor allem in der Yoga- und Wellnessszene einen gewissen Gesundheitsstress gibt. Man versucht alles richtig zu machen, ja nicht krank zu werden und irgendwann beschäftigt man sich nur noch damit. Die Auseinandersetzung mit der Gesundheit kann auch zwanghaft werden. Ein Juice-Cleanse an sich ist eine gute Sache, aber wenn ich ständig das Gefühl habe, dass ich entgiften sollte, dann geht auch das in eine ungesunde Richtung.

Also auch wer sich richtig ernährt, Yoga macht und meditiert, kann krank werden?

Man darf nicht vergessen: Gesundheit entsteht vor allem dann, wenn sich unser System in Balance befindet. Wenn wir auch mal am Abend auf dem Sofa eine Pizza essen und einfach genießen können, ohne uns ständig optimieren zu wollen. Denn Detox und Yoga alleine machen nicht glücklich. Gesundheit hängt auch damit zusammen, ob ich mit meinen Lebensumständen im Allgemeinen zufrieden bin. Wie geht es mir mit meinem Job? Wie läuft meine Beziehung? Deshalb versucht eine ayurvedische Anamnese sich ein sehr ganzheitliches Bild vom Menschen zu machen. Wer sich ausgewogen ernährt, aber eine super stressig Job hat, riskiert seine Gesundheit natürlich trotzdem.

Welche Gesundheitsrituale hast du in deinem Alltag etabliert?

Ich habe keinen festgelegten Tagesplan. Es kann auch mal sein, dass ich ein paar Tage kein Yoga mache und auch nicht meditiere. Was ich aber fast jeden Morgen mache und was sich sehr bewährt hat, ist die ayurvedische Morgenroutine: Also direkt nach dem Aufstehen die Zunge schaben, Öl ziehen und ein Glas heißes Wasser trinken. Manchmal mache ich dann noch Yoga. Manchmal lese ich aber auch nur einen Moment in einem inspirierenden Buch. Es geht mir dabei eher um bewusste Zeit für mich als eine bestimmte Routine.

Bist du jemals krank?

Ich bin tatsächlich sehr, sehr selten krank. Per se habe ich ein gutes Immunsystem.

Du bietest Online Yin-Yoga an. Schwerpunkt Faszien und myofasziales Releasing. Was macht diese Form des Yoga für dich besonders?

Es ist Aspekt im Yoga, der für mich das Medizinische und das Yogische sehr gut miteinander verknüpft und viele therapeutische Aspekte vereint. Ich habe in meinen Kursen gemerkt, dass die Arbeit mit den Faszien noch eine viel tiefere Wirkung auf den Körper hat. Man kann sie mit Hilfsmitteln sehr spezifisch dehnen und lösen. Bei vielen meiner Schüler*innen haben sich langwierige Schmerzen gelöst. Und natürlich mag ich den entspannten Ansatz des Yin: Damit unsere Energie mühelos fließen kann, brauchen wir auch solche Bereiche in denen wir einfach loslassen können.

Relax & Release-Sanfter Abend-Flow zum Abbau von Stress und körperlichen Verspannungen mit Musik from Janna Scharfenberg on Vimeo.

Dieses Jahr startet deine Online-Ausbildung Ayurveda für Yogalehrer*innen. Warum ist es gut, wenn ich mich als Yogalehrerin in der ayurvedischen Lehre auskenne?

Nachdem ich viel als medizinische Dozentin mit unterschiedlichen Yoga Studios im Rahmen von Yogalehrer*innen-Ausbildungen arbeite, habe ich festgestellt, dass das Thema Ayurveda dort immer auf großes Interesse stößt. Ayurveda und Yoga sind untrennbar miteinander verknüpft. Beide fokussieren sich auf die Gesunderhaltung von Körper, Geist und Seele. Mit Herangehensweisen, die sich gegenseitig ergänzen. Wer in Indien zum Ayurvedaarzt geht, bekommt oft auch Körper oder Atemübungen aus dem Yoga mit auf den Weg.

Die Herangehensweise des Yoga ist dabei unter anderem über Asanas, Pranayama und Meditation. In der ayurvedischen Medizin liegt der Fokus auf der passenden Ernährung, dem Tages- und Jahresrhythmus sowie gesundheitsfördernden Ritualen, Kräutern und der sanften Entgiftung. Es ist Gold wert, wenn man als Yogalehrer*in auch über dieses Wissen verfügt, da man seine Schüler dann ganzheitlich informieren kann. Daher habe ich den Online-Kurs Ayurveda für Yogalehrer*innen entwickelt um so einen wichtigen medizinischen Mehrwert anbieten zu können.

Danke Janna, wir wünschen dir einen guten Start!

Wenn du jetzt genauso begeistert von Janna bist, wie wir, dann schau dich doch mal in ihrem Yoga-Ayurveda-Universum um. Dort gibt es einiges zu entdecken:

  • Jannas Blog In Good Health mit einem sehr guten Newsletter. Abonnieren!
  • In ihrem Podcast bespricht Janna Themen, die ihr am Herzen liegen und interviewt regelmäßig spannende Menschen der hiesigen Spiri-Health-Yoga-Szene. Zum Beispiel unsere Autorin Dania (Folge 10).
  • Alle Infos zu Jannas Online-Yoga-Serie Yin & Faszien Flow

Das Interview führte Daniela Singhal und ist in Zusammenarbeit mit Dr. Janna Scharfenberg entstanden.