„Du übst Ashtanga Yoga!?“ (hochgezogene Augenbrauen) – „Arschtanga, haha! Ist das irgendwie sexuell?“ so und ähnlich sind die Reaktionen, die mir entgegengebracht werden, wenn ich erzähle, dass ich Ashtanga Yoga liebe. Das ist natürlich Quatsch. Ashtanga Yoga ist eine traditionelle Yoga Art, die es in sich hat.

Betrachtet man die typischen Ashtangis, fällt auf, dass sie sehr diszipliniert und voller Hingabe üben. Und klar, der gestählte Körper der Ashtanga-Yogis ist ein netter Nebeneffekt, dieser wohl herausforderndsten Yoga-Art. Doch neben den Asanas geht es hier um viel mehr:

Das erklärte Ziel: durch die schweißtreibende Praxis soll der Körper gereinigt werden und von den Ablenkungen des Alltags Abstand gewinnen.

Im Klartext heißt das: Der Ausstieg aus dem Gedankenkarussell aka „Monkey Mind“ auf der Yogamatte. Die Gedanken, und damit auch das Ego-gesteuerte Leben, können quasi in der Hitze der eigenen Praxis „verdampfen“.

Was ist Ashtanga-Yoga?

Das Wort setzt sich zusammen aus ashta (= Sanskrit für „Acht“) und anga (= Sanskrit für „Glieder“). Folglich sind es acht Glieder, die das Ashtanga Yoga System bilden.

  1. Yama = Verhaltensregeln anderen gegenüber
  2. Niyama = Verhaltensregeln sich selbst gegenüber
  3. Asana = Körperübungen
  4. Pranayama = Kontrolle des Atems
  5. Pratyahara = Zurückziehen der Sinne
  6. Dharana = Konzentration
  7. Dhyana = Meditation
  8. Samadhi = Erleuchtung

Die Wurzel liegt hier in den Yoga-Sutren des Patanjali, einem der wichtigsten Grundlagenwerke der Yogaphilosophie. Die acht Glieder teilen sich auf in vier nach außen gerichtete und vier nach innen gerichtete Teile. Das undogmatische Leben nach diesen Regeln und die kontinuierliche Praxis – auch Sadhana (spirituelle Praxis) genannt – soll zur Erleuchtung im Hier und Jetzt führen. Ashtanga Yoga ist also weit mehr als eine rein körperliche Praxis, sondern vielmehr als Weg zur Erleuchtung zu verstehen.

Was ist das Besondere an der Ashtanga Yoga Praxis?

Das Ashtanga Yoga System besteht aus sechs Serien, von denen meist die erste gelehrt wird. Erst wenn eine Serie voll beherrscht wird, geht man weiter zur nächsten. Da die Serien alle sehr anspruchsvoll sind, gibt es nur wenige Menschen, die über die zweite Serie hinauskommen. Für eine vollständige, runde Praxis ist aber die erste Serie, genannt Yoga Chikitsa (Deutsch: Yoga Therapie), völlig ausreichend. Sie besteht aus einer geregelten Abfolge von Asanas: Auf die Sonnengrüße folgen 18 stehende Haltungen, dann 35 Asanas im Sitzen und dann eine Schluss-Sequenz mit 16 Asanas inklusive Savasana, der Schlussentspannung. Beim Üben geht eine Haltung fließend in die andere über.

Traditionell erarbeitet sich der Schüler die Sequenz in so genannten Mysore Klassen, in denen der Lehrer herumgeht und assistiert, aber keine allgemeinen Ansagen macht. Der Anfang- und der Schlussteil sind immer gleich, lediglich die Asanas dazwischen werden je nach individueller Möglichkeit modifiziert bzw. weggelassen. Das setzt natürlich die Kenntnis der Serie voraus. Für Anfänger eignen sich daher spezielle LED-Klassen, in denen wie in anderen Yogaklassen die Asana und der Atem angesagt werden. Auch Spickzettel („Cheat-Sheets“) werden oft in der Klasse verwendet (sind aber oft nach kurzer Zeit nicht mehr nötig).

Das eigenständige Üben hat einen großen Vorteil: Der Geist bleibt klar, man wird weniger abgelenkt und es ist leichter, sich wirklich auf dich selbst und die eigene Praxis zu konzentrieren. 

Unterstützt wird das von den Ashtanga Yoga typischen Yoga Techniken: Vinyasa (Atem-Zählen), Drishti (Fixpunkt des Blickes) und Bandha (Energieverschluss). Geatmet wird in Ujjayi, einem hörbaren Atem, bei dem du die Stimmritzen zusammenziehst, so das ein Darth-Vader-artiges Rauschen entsteht. Damit du durch ständiges Umherschauen nicht abgelenkt bist, wird die Praxis mit einem Drishti verbunden. Das ist ein Punkt auf den der Blick gerichtet wird und kann z.B. die Nasenspitze oder der Bauchnabel sein. Um federleicht vor- und zurückzuspringen werden Bandhas benutzt. Sie helfen dabei die Körpermitte zu stabilisieren. Um das zu lernen, heißt es „Core-Strength-Übungen“ mal wirklich zu machen. Dafür wird man danach mit der Kraft eines Super-Yogis belohnt. Besonders am Anfang ist es schwierig alles gleichzeitig anzuwenden. Aber auch hier der Leitspruch vom Vater des Ashtanga-Yoga Sri K. Patthabi Jois:

Practice, practice and all is coming

Woher kommt Ashtanga Yoga?

Als Begründer des Ashtanga-Yoga Systems gilt Sri K. Patthabi Jois, der 1958-60 in Mysore, Indien die „Yoga Mala“, das Buch mit der genauen Auflistung der Positionen und Atem-Zählung verfasste. Er war Schüler von Krishnamacharya, der heute als Urvater des modernen Yoga bezeichnet wird.

Patthabi Jois begann 1927 – mit nur 12 Jahren – bei Krishnamacharya, dem Urvater des modernen Yoga, zu lernen. Als Schüler verheimlichte er seinen Eltern, dass er morgens Yoga übte und nahm 1930 reißaus, um am Maharaja Sanskrit College in Mysore zu studieren. Dort lebte auch sein Meister Krishnamacharya, so dass sich die enge Lehrer-Schüler Beziehung der Beiden fortsetzte bis 1953 Krishnamacharya Mysore verließ. Patthabi Jois führte den Unterricht in seinem Sinne weiter und übernahm die Sequenzen für das Ashtanga Yoga Übungssystem.

Was du von einer Ashtanga Yoga Klasse erwarten kannst

Ruhe. Keine Musik. Pures Üben. Meistens auch Yogis, die ihre Körper auf eine Art und Weise verbiegen, dass dem „Normal-Yogi“ die Augen aus dem Kopf fallen. Deshalb: Informiere dich am besten im Studio, welche Klasse für dich am besten ist, bevor du zum ersten Mal zum Ashtanga Yoga gehst. Zur Mysore Klasse dürfen auch absolute Beginner kommen. Aber Achtung: Hier wird dir hier nicht gesagt, was du tun sollst. Und das kann sich doof anfühlen. Es empfiehlt sich also einen Beginnerkurs zu belegen und anschließend ein paar LED-Klassen zu besuchen, damit du mit dem System vertraut wirst. Viele Ashtanga-Studios bieten keine Probestunde, sondern einen Probemonat, weil es in einer Stunde schlichtweg nicht möglich ist, dieses komplexe System kennenzulernen. Aber keine Bange, die Ashtanga Yoga Praxis ist eine sehr spannende Angelegenheit und die Grundlage der meisten dynamischen Yogastile, wie zum Beispiel Jivamukti oder Vinyasa Yoga.

ashtanga yoga

Für wen ist Ashtanga Yoga geeignet?

  • Menschen, die mit Haut und Haar bei der Sache sein wollen
  • Alle, denen es keine Angst macht neben einem Yogi zu üben mit scheinbaren Superkräften und fehlender Wirbelsäule
  • Disziplinierte Menschen, die klare Regeln mögen und auf Weichspül-Programm keine Lust haben
  • Praktische Philosophen – „learning by practicing“ ist hier das Motto

Wo kann ich in Deutschland Ashtanga Yoga üben?

Ashtanga findest du eigentlich überall. Achte darauf, dass du dem Lehrer bzw. der Lehrerin vertraust und dich gut im Kontakt mit ihr fühlst. Das ist ohnehin immer, aber besonders beim Ashtanga wichtig. Wir haben ein paar Studio-Tipps für die größten Städten Deutschlands für dich.

Ashtanga Yoga in Berlin

Ashtanga Yoga in München

Ashtanga Yoga in Hamburg:

 

Yeah! Ich will mehr über Ashtanga Yoga erfahren…

Dann schau mal hier.

Titelbild: Coni Hörler (Vielen Dank für die Erlaubnis, es zu nutzen)

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