Abnehmen durch Yoga: Wenn deine Seele Kalorien verbrennt

Meine erste Stunde auf der Yogamatte war von einem einzigen Gedanken motiviert: Abnehmen. Dünner werden. Mein jahrelanger Kampf mit Diäten und dem Thema Essen hatte dafür gesorgt, dass mein Gewicht immer weiter in die Höhe stieg. In meiner Verzweiflung suchte ich nach Lösungen und begegnete dem Yoga.

Akzeptanz war das Lieblingsmantra meines Lehrers.

Schnell lernte ich, dass es bei der spirituellen Praxis nicht darum ging an Gewicht zu verlieren, sondern meinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Ein Konzept, das mir nach Jahren der Kasteiung sehr zusagte.

Yoga ist 99 % Praxis und 1 % Theorie.

Pattabhi Jois berühmtes Zitat begegnete mir gleich zu Beginn meiner Yogapraxis. Es dauerte allerdings eine ganze Weile bis ich wirklich verstand, was er damit meinte.

Ohne es zu merken, drehte ich Patthabi Jois die Worte im Mund um. Meine Neugierde wuchs und die Bücher stapelten sich neben meinem Bett. Ich begann alles Mögliche rund um das Thema Yoga zu lesen. Theoretisch verstand ich, dass es darum ging, mich dem Moment hinzugeben. Voller Akzeptanz und ohne Erwartungen. Allerdings scheiterte ich daran, die Essenz der Theorie tatsächlich auf der Matte umzusetzen.

Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich nach wie vor ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen hatte: Meinen Traumkörper.

Akzeptanz? Weit gefehlt! Ob in Magazinen oder auf Instagram, ich fühlte mich magisch von Bildern entspannter Yogis angezogen. Fasziniert von der Flexibilität ihrer Körper wünschte ich mich insgeheim genau dorthin. Yoga wurde für mich zum Ausdruck von Leichtigkeit und innerem Wohlgefühl. Zwei Schlagwörter, die tief in mir mit dem Idealbild eines schlanken Körpers assoziiert waren. Leider.

Unbewusst fing ich an, meine festgefahrenen Glaubenssätze eins zu eins auf die Yogapraxis zu übertragen. Mit fatalen Folgen:

Ich grüßte die Sonne mit der Absicht unter ihr zu brennen. Am liebsten zweimal täglich!

Ich studierte die Kurspläne verschiedener Studios und entschied mich stets für die schweißtreibenden Stunden. Eine gute Klasse machte ich daran aus, wie sehr ich meine Muskeln danach spürte und wie stark sich der Schweißabdruck meiner Hände und Füße unter mir abzeichnete. Die Krieger zählten zu meinen engsten Vertrauten genauso wie Sonnengrüße aller Art, während Meditationen und Atemübungen auf der roten Liste standen.

Ich suchte ausschließlich nach Erfahrungen in meinem Körper. Anderen Bereichen der Praxis begegnete ich mit großem Desinteresse.

Yoga lehrt uns, dass wir in Wirklichkeit nichts anderes sind als reines Bewusstsein. Doch soweit reichte mein Verständnis nicht. In meiner Vorstellung war ich eins mit meinem Körper und Spüren fand für mich ausschließlich auf physischer Ebene statt.

Nach einiger Zeit des Praktizierens fühlte ich mich immer müder und schlapper.

Meine Euphorie täglich auf der Matte zu stehen lies zunehmend nach. Ich beschloss mich zu wiegen, um zu sehen, ob sich die Mühe wenigstens in dieser Hinsicht lohnte.

Was folgte, war der Schock meines Lebens: 4 Kilo mehr trotz der intensiven Praxis.

Ich traute meinen Augen nicht, als ich die Zahl auf der Waage erblickte. Und das, obwohl ich mich gesund ernährte und keine Möglichkeit ausließ, um zu praktizieren!  Wieso sollte ich bitte noch üben? Ich gab Yoga höchstpersönlich die Schuld an dem Desaster und verbannte meine Yogamatte in die Ecke.

Realitäts-Check: Yoga ist kein Wunschkonzert

Yoga gibt uns genau das was wir brauchen, nicht das was wir wollen. Ich wollte abnehmen. Doch ich bekam Lektionen. Yoga zeigte mit dem Finger auf meine wahren Baustellen. Ich jagte jahrelang einer Zahl auf der Waage hinterher. Während ich mich in Wirklichkeit nach dem Gefühl sehnte, das ich dahinter vermutete. Ich fing an zu verstehen, dass meine rigide Herangehensweise nichts mit Selbstakzeptanz zu tun hatte.

Und dann kam die Wende.

Nach einiger Zeit begann mich die Yogamatte aus der Ecke anzublinzeln. Irgendetwas sagte mir, dass ich Yoga nochmals eine Chance geben sollte – und wagte einen zweiten Anlauf: Ich übte intuitiv, statt stur mein Programm durchzuziehen.

Gleichzeitig wusste ich, dass sich etwas ändern musste und fing an meiner inneren Stimme zu vertrauen. Von ihr geleitet begegnete ich meiner Praxis mit mehr Gelassenheit.

Ich übte, wann und wie oft ich wollte. Ohne Zwang und ohne Erwartungen.

Ich fühlte mich gut und mein Interesse wuchs, mich mit den meditativen Aspekten des Yoga auseinanderzusetzen. Zu Beginn hatte ich wichtige Praktiken ausgespart, schlichtweg um mehr Kalorien zu verbrennen. Yoga wurde für mich zur neuen Diät. Dabei ließ ich genau den Teil aus, der mir zum inneren Gleichgewicht fehlte.

Heute übe ich intuitiv. Yin Yoga und Meditationen gehören zum festen Bestandteil meiner Praxis.

Ich fühle mich in meinem Körper endlich angekommen, ohne ihn verändern zu wollen. Ein Gefühl, das sich auch im Äußeren zeigt.

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Von wegen Chaturanga. Yin Yoga bescherte unserer Autorin Franziska Krusche ihren Traumkörper

Du erkennst dich in dem ein oder anderen Satz wieder und bist kurz davor aufzugeben? Dann versuche doch einmal, etwas in deiner Praxis zu verändern.

5 Tipps, wie deine Praxis dein Körpergefühl positiv beeinflusst

1. Finde deinen Stil: Die Yoga-Praxis soll dir zu mehr Gleichgewicht verhelfen. Frage dich stets, was dir zur inneren Balance fehlt. Probier verschiedene Yoga-Arten aus und finde einen Stil, der zu dir passt. Mein absoluter Geheimtipp: Yin Yoga. Minimale Anstrengung bei maximaler Entspannung.

2. Umgib dich mit gleichgesinnten Yogis: Zugegeben, viele Klassen werden von den physischen Aspekten, der Asana-Praxis, dominiert. Doch es gibt Ausnahmen! Such dir ein Studio, in dem die spirituelle Praxis im Vordergrund steht. Verbinde dich mit  gleichgesinnten Yogis, um den Wettbewerb auf der Matte zu vermeiden.

3. Meditation, Pranayama & Co.: Du hast das Gefühl, hier passiert nichts? Meine Erfahrung: Es lohnt sich genauer hinzuschauen. Abnehmen beginnt im Kopf! Und was eignet sich da besser, als in einer Meditation mal richtig hinzuhören?

4. Auf deine Absichten kommt es an: Was steckt wirklich hinter deinem Wunsch abzunehmen? Sehnst du dich nach einer bestimmten Konfektionsgröße oder vielmehr nach der Freiheit, dich so zu akzeptieren, wie du bist? Yoga wird dich deinen wahren Zielen näher bringen. Und dich auf Umwege schicken, wenn du dein Problem nur oberflächlich angehst.

5. Batterie-Check: Wie voll ist deine Batterie? Passe deine Praxis an dein Energielevel an, so dass sie keinen weiteren Stress verursacht. Allerdings ist das kein Freischein zum Faul sein. Stichwort: Balance!

Überraschenderweise war es vor allem das ruhige Yin Yoga, das mich meinem „Traumkörper“ näher brachte. Erst als ich begann meine Seele mit Ruhephasen zu nähren, fingen die Kilos an zu schmelzen. Meine Seele wurde zum Brennofen meines Körpers. Mit ausreichend Auszeiten genährt, läuft sie auf Hochtouren und verbrennt die wahren Kalorien!

Frohes Üben,
Deine Franzi

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8 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Franziska.
    Das ist nun das 1. Mal dass ich einen Blogartikel kommentiere – aber Deine Artikel sind schlichtweg ehrlich und klar geschrieben, sodass ich Dir das mitteilen möchte !
    Von all den Gedanken an Nahrung, Sport, Körper und Abnehmen fühle ich mich in einigen Augenblicken so müde dass ich mir laut sage „ich kann nicht mehr“.
    Yoga hilft mir mich wie ein „friedliches Baby“ zu fühlen und endlich für ein paar Stunden keine Fehler an mir selbst zu suchen und zu finden.
    Danke für diesen Artikel, ich werde schauen, dass ich zu deinem Workshop im November komme. Namste J.

  2. Toller Artikel. Ich mache leider auch viel zu selten Yoga, weil ich mir denke Joggen oder im Fitnessstudio mit Gewichten trainieren effektiver ist. Werde aber in Zukunft öfter Yoga machen denn es macht mich einfach glücklich. Und das zählt ja auch. :D LG Selina

  3. Genau der richtige Beitrag für mich, danke!!! Yoga ist genau mein Ding und ich mag auch sehr die Entspannungsübungen und trotzdem habe ich es immer vernachlässigt weil joggen und schwitzen im Studio wichtiger war. Bei mir zu Hause liegt ein Gutschein für einen Probemonat im Yogastudio. Den werde ich jetzt einlösen und versuchen mehr auf meine innere Stimme zu hören.

  4. Liebe Franzi,
    ich finde mich so sehr wieder in deinem Beitrag.
    Gerade gab es bei mir wieder einmal eine Phase, in der ich der besseren Figur hinterher gejagt bin und was mich völlig aus der Balance gebracht hat.
    Mir passiert es häufig, dass ich in alte Muster verfalle, wenn ich nicht so achtsam mit mir und meiner Umwelt agiere.
    Durch ein bisschen mehr Zeit für mich konnte ich Probleme allerdings identifizieren und es ist schon toll, dass ich gerade jetzt auf deinen Artikel gestoßen bin. Super Timing, Universum!

    Danke für deine offenen Worte!
    Liebe Grüße, Steffi

    1. Liebe Stefanie,

      fantastisch, dass du einigen Baustellen finden konntest und nun wieder den Weg zurück ins Gleichgewicht ansteuerst. Yoga ist einfach magisch: Ob man möchte oder nicht, man kommt über Umwege doch immer wieder zurück zu sich selbst. Und schön, dass der Artikel gerade im richtigen Moment kam. Das Timing sollte dann wohl so sein!

      Alles Liebe,
      Franzi

  5. Was du beschreibst kenne ich nur zu gut. Auch ich musste erst lernen, alle Aspekte von Yoga anzunehmen und es nicht nur als Sport zu sehen, sondern als eine gahnzheitliche Praxis für Körper und Geist.
    Und obwohl Instagram eine tolle Inspirationsquelle ist, hat auch die App einen Teil dazu beigetragen, dass ich einem perfekten Körperbild und der schwierigsten Pose hinterhergejagt bin. Es kostet Kraft, sich davon zu lösen.
    Vielen Dank für deine ehrlichen Worte in diesem Post.
    Liebe Grüße
    Saskia

    1. Liebe Saskia,

      da kann ich dir nur zustimmen: sich von alten Mustern zu lösen kann ganz schön kräfteraubend sein. Aber es lohnt sich!! Der Weg ist das Ziel – das merke ich beim Yoga immer und immer wieder.

      Alles Liebe,
      Franzi

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