Weil meine Spiritualität zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden ist, vergesse ich oft, dass ich als spiritueller Mann doch noch zu einer Minderheit gehöre. Das merke ich spätestens dann, wenn man mir Klischees entgegenwirft, die fast immer einen Lach-Flash in mir auslösen. Empörung darüber macht für mich wenig Sinn. Ich finde es großartig, zu jenen männlichen „Exoten“ zu gehören, die aus dem Käfig männlicher Stereotypen ausbrechen und bin damit völlig im Reinen!

Die besten Sprüche will ich dir trotzdem nicht vorenthalten. Und versuchen, der Wahrheit über den Mythos Spiri-Männer auf den Grund zu gehen.

Bühne frei für 5 Vorurteile über spirituelle Männer, die mir wahrhaftig in Erinnerung geblieben sind (und dir ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern werden):

1. Wir tragen einen Turban. Klar. Weil wir auch alle indische Gurus sind, deren Alltag ein einziges Ashram ist. Neeeein! Auch wenn ich heute schon eine Stunde meditiert habe, trage ich Klamotten, mit denen ich im Kreuzberger Hipster-Kiez auf keinen Fall aus der Reihe tanzen würde. Gerne will ich mein eigener Guru sein und dadurch Leute inspirieren. Und wenn Männer sich mit Turban, langem Bart und typischer Guru-Robe identifizieren können und dies ihrer Mission entspricht, zolle ich diesen Herren großen Respekt. Dies bleibt aber wohl nur einer Minderheit vorenthalten. Und weil Spiritualität immer mehr die breite Masse erreicht (Auf geht’s Jungs – wir holen die Mädels ein!), sollten wir uns besser generell von jeglichen Vorstellungen befreien, wie man als Spiri auszusehen hat.

2. Wir riechen. Nach dem Meditieren war ich Laufen und habe mich, surprise, surprise, schon geduscht. Spiritualität bezweckt einen Einklang von Körper, Geist und Seele. Männer, die Seelen-und Gedankenhygiene betreiben, schenken in der Regel auch ihrem Körper liebevolle Aufmerksamkeit. Für die Öko-Fans unter uns Männern gibt’s mittlerweile auch immer mehr Naturkosmetika fernab des Mainstreams. Find ich gut. Die Zeiten des intensiven Eau de Toilette-Schleiers, der prägnant das ganze Büro durchdringt, sind sowieso vorbei.

3. Wir sind alle schwul. Viele spirituelle Männer sind tatsächlich schwul. Mit der Herausforderung, im gesellschaftlichen Kontext nicht der Norm zu entsprechen, kommt für viele eine intensivere Verbindung zu ihren Gefühlen. Diese wiederum ist die Brücke zur Spiritualität, zur Befreiung und zur Selbstannahme. Wenn männliche Spiritualität mit „schwul“ assoziiert wird, dann würde es so manchen Heteros nicht schaden, ein bisschen schwuler zu sein.

4. Wir sind Softies. Um am letzten Punkt anzuknüpfen: Im Gegenteil! Wer sich seinen Gefühlen stellt, muss ganz schön mutig sein. Viel zu viele Männer flüchten ein Leben lang vor ihren Emotionen und verschanzen sich mit all ihrer Verletzbarkeit hinter der begrenzenden Fassade des lässigen Erfolgstypen. Männer, die einen guten Kontakt zu ihren Gefühlen pflegen und ihre inneren Impulse kraftvoll im Leben umsetzen, werden mit wahrhaftigem „Mann sein“ belohnt.

5. Wir leben asketisch. Dieses Klischee kenne ich von meinen Zeiten als nicht-trinkender Barkeeper. Die Vorstellung eines meditierenden, nicht-trinkenden Mannes erschien vielen Gästen so grotesk, dass sie damit automatisch einen völlig asketischen Lebensstil verbanden. In ihrer Wahrnehmung war ich ein Mönch mit Heiligenschein. Die wenn wüssten! Für mich beinhaltet Spiritualität keinen Dogmen-Katalog, dem man sich fügen muss. Stattdessen führt sie in die Selbstliebe, so zu sein und zu handeln, wie es dem eigenen Wesen entspricht. Und das ist wohl bei den wenigsten spirituellen Männern rein asketisch veranlagt.

Während ich diesen Artikel schreibe, muss ich die ganze Zeit lächeln. Witz und Humor sind schließlich doch die besten Icebreaker, wenn es um die Entlarvung von Vorurteilen geht. Schlussendlich steckt meist in jedem Klischee ein kleines Fünkchen Wahrheit.

Trotzdem ist es an der Zeit, spirituelle Männer nicht mehr länger in die Schublade asketischer Öko-Missionare mit Turban zu stecken. Und sie trotzdem wertzuschätzen, wenn sie genau dies sind.

Mehr von mir und all dem, was mein Herz bewegt, findet ihr ganz bald auf meinem spirituellen Hipster-Hippie-Naturburschen-Blog „Seelenrave“. Bis dahin versorgt euch meine Facebook-Seite mit der alltäglichen Ration Männerspiritualität für zwischendurch. Mit sexy Texten, Bildern, ganz viel (chakragereinigtem) Herz und Liebe für euch.

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