Denkst du manchmal, dass du nicht fähig zum Meditieren bist? Dass du einfach nicht in diesen Zustand kommen kannst, von dem die Gurus und Langzeitmeditierenden erzählen? Dann habe ich eine gute Nachricht für dich: Das geht achtzig Prozent aller Meditierenden so. Das ist zwar keine Wissenschaftlich nachgewiesen Zahl, spiegelt aber das wieder, was mir die Leute im Laufe meiner Meditationsgespräche anvertraut haben.

Mir selbst ging das auch lange so und mindestens einmal in der Woche passiert es mir heute noch.Und das wird vermutlich das ganze Leben so bleiben, nur das die Abstände größer werden.

Alles, was du daraus schlussfolgern kannst, dass du nicht in diesen Zustand kommst ist, dass dein Ego das Kommando hat. Und das ist doch toll, zu wissen, oder? „Aha, meine Gedanken haben mich im Griff, interessant“!

Alles was dich vom Guru unterscheidet ist, dass der sich den nächsten Morgen wieder hinsetzt und beobachtet „Aha, meine Gedanken haben mich im Griff, interessant“!

Und rate mal, was er den dritten Tag macht? Genau, er setzt sich wieder hin und stellt fest „Aha, meine Gedanken haben mich im Griff, interessant“! Das geht noch eine ganze Zeit so weiter, bis er den Willen entwickelt, sich von seinen Gedanken nicht mehr herumkommandieren zu lassen.

Er setzt sich den nächsten Tag wieder hin. Jetzt kann er seine Gedanken schon mit ein bisschen Abstand beobachten und muss innerlich darüber schmunzeln, was da eigentlich so abgeht. Er geht dabei nie in dem Kampfmodus, sondern beobachtet und verfeinert so seine Meditationspraxis.

Genauso habe auch ich es gemacht. Als ich neulich wieder fern von jeglichem meditativen Zustand war, hatte ich plötzlich die Liste meiner „Meditationskiller“ im Kopf.

Hier meine Best-Practice-Tipps für dich, damit du leichter in den Meditationsflow kommst:

1. Do it every damn day 

Ich höre immer wieder von Leuten, dass wir das Meditieren locker nehmen sollen. „Wenn du dich morgens nicht gut fühlst, gehe liebevoll mit dir um und zwing dich nicht“. Für mich persönlich gilt das Gegenteil. Denn mein Ego erzählt mir jeden Morgen, dass ich müde bin. Wenn ich diesen Rat befolgen würde, dann sähe Gott mich äußerst selten auf meinem Meditationskissen sitzen.

Meine wichtigste Regel ist deshalb „Meditate every damn day“. Es gelten keine Ausnahmen, außer schwere Krankheit! Der Vorteil daran ist, dass man sich durch die tägliche Praxis besser beobachten kann: Wie ist meine Meditation, wenn ich keine Lust habe, wenn ich müde bin, wenn ich gut gelaunt bin, wenn ich entspannt bin, wenn ich Hunger habe, wenn ich sprichwörtlich aus dem Bett gekrochen komme etc. ?

2. Spiele mit deinem Ego

Die beste Möglichkeit mit unserem Ego in Verhandlung zu gehen, ist mit ihm zu spielen. Vermutlich funktioniert das so gut, weil unser Ego der Panzer aus Kindertagen ist und auf dieser Ebene besonders gut zu erreichen ist.

Verkaufe deinem Ego die Meditation als eine lustige Challenge: Wenn du es schaffst, 40 Tage ohne Pause zu meditieren hast du das Spiel gewonnen. Ansonsten geht ein Punkt an dein Ego. Dann geht ihr in die Nächste Runde. Bis irgendwann DU das Spiel gewinnst!

Der Trick daran ist, dass du das Ego damit beruhigst. Es hat nämlich höllische Panik, dass du jetzt ein Leben lang meditieren willst und ihm so seine Lebensgrundlage (die Angst) entziehst. Und es wird sich mit allen Mitteln wehren. Wenn du es aber fragst, ob es zum Spielen rauskommt, sagt es garantiert „ja“.

Die Wissenschaft hinter den magischen 40 Tagen ist, dass wir diese Zeitspanne benötigen, um unser Verhalten zu ändern.

3. Bediene den Pawlowschen Hund in dir

Ordentlich Schwung aufgenommen hat meine Meditationspraxis, seitdem ich zu einer festen Zeit meditiere. Es ist unglaublich, wie stark der Körper sich an Routinen gewöhnt.

Das Hirn lernt mit der Zeit, dass es während dieser Tageszeit nicht zu denken braucht. Am Ende unterscheiden wir uns nicht vom Pawlowschen Hund, der anfängt zu sabbern, wenn das Essensgeräusch ertönt. Probiere es mal aus!

4. Die richtige Uhrzeit für dich

Wenn du dir vornimmst, nach dem Frühstück, Mittags oder abends zu meditieren, wird dein Ego zig Ausreden finden, es nicht zu tun.

Für mich steht fest, dass die Zeit zwischen fünf und acht Uhr morgens die beste Zeit zum Meditieren ist. Aus mehreren Gründen: In dieser Zeit herrscht eine gewisse Ruhe. Wenn du in einem Mietshaus wohnst, gibt es noch kein Getrampel, laute Gespräche und selbst die meisten Hunde schlafen noch.

Auch der Paketdienst hat sich noch nicht auf den Weg zu dir gemacht. Und unterbewusst weißt du: Im Moment will niemand etwas dringendes von dir. Das heißt, du kannst dich viel besser in deiner Meditation entspannen.

Zusätzlich gibt es eine yogische Erklärung. In meiner Kundalni-Yogalehrer-Ausbildung habe ich gelernt, dass in den zwei Stunden vor Sonnenaufgang, die Sonne in einem ganz bestimmten Winkel zur Erde steht. Das bewirkt ein elekromagnetisches Feld, das besonders förderlich ist, um das Unbewusste zu reinigen.

Aktuell starte ich meine spirituelle Praxis um 6 Uhr morgens.

5. Aufschieberitis Adé

Ich musste so sehr über mich lachen, als ich nach geraumer Zeit feststellte, wie mein Ego sich ans Steuerboard geschlichen hat. Es fing damit an, dass ich meinte vor dem morgendlichen Meditieren noch etwas Warmes trinken zu müssen. Dann dachte ich, warum nicht gleich einen Kaffee? Und wenige Zeit später verbrachte ich jeden Morgen eine Stunde kaffeetrinkend und lesend auf der Couch und wiederholte das „Ich habe kein Bock“-Mantra in meinem Kopf.

Als ich das erkannte, änderte ich die Regeln und erklärte meinem Ego, dass wir egal wie müde wir sind, zunächst meditieren müssen und es den Kaffee dann als Belohnung gibt.

Mein Tipp für dich: Lege deinen Wecker so weit weg, dass du aufstehen musst, um ihn auszuschalten. Dann lauf husch husch ins Bad und wasche dein Gesicht mit kaltem Wasser. Danach solltest du den Aufstehschock überwunden haben.

6. Schalte auf Flugmodus

„Video killed the radio star“ und „Social Media killed the Guru“ könnte man sagen. Allein zu wissen, dass eine Whats App Nachricht eintrudeln könnte oder die E-Mail-Antwort, auf die ich seit Tagen warte, eingehen könnte, macht mich innerlich nervös beim Meditieren. Von Facebook- und Instagram-Updates ganz zu schweigen. Deshalb schalte ich mein Smartphone nicht nur auf lautlos, sondern in den Flugmodus.

Wenn du wie ich empfindlich bist, kann die innere Nervosität beim Meditieren tatsächlich durch die Schwingungen entstehen, die von den eingehenden Mitteilungen ausgehen.

Außerdem mag ich die Idee im sprichwörtlich im Flugmodus zu sein.

7. Nimm den (Zeit-)Druck raus

Das schlimmste beim Meditieren ist jegliche Form von Druck. Neulich hatte ich ein sehr frühes Kundengespräch, das nur 15 Minuten nach meiner Meditation stattfand. Ich war einfach nur angespannt, gestresst und hatte Sorge, dass der Wecker nicht klingelt und ich den Call verpasse.

Jegliche Form von Druck alarmiert das Ego, die Schutzmechanismen zu aktivieren. Die wichtigste Voraussetzung zum Meditieren ist eine entspannte Haltung. Schaff dir diesen heiligen Raum, indem dich niemand stören kann.

8. Partner und Mitbewohner

Ein weiterer Meditationskiller können Partner, Mitbewohner und andere Menschen sein. Wie sollst du in einen meditativen Zustand kommen, wenn andere Menschen unter der Dusche singen, durch die Wohnung tapsen oder noch besser: neben dir im Bett liegen.

Dein Nervensystem weiß, dass es achtsam bleiben muss, da es jederzeit erschreckt werden könnte. Deshalb: Sprich mit deinen lieben Mitmenschen und bitte sie darum, in der Zeit in keinem Fall den Raum zu betreten und so leise wie möglich zu sein.

9. Pray!

Manchmal sitze ich morgens im Schneidersitz und gebe mich richtiggehend meinen Gedanken und meiner Fantasie hin. Oft bin ich in meiner Meditation so inspiriert, dass ich im Kopf ganze Blogposts schreibe (wie diesen hier). Das ist war super, aber eigentlich nicht Sinn der Übung.

Mir hilft es deshalb vor dem Meditieren kurz dafür zu beten, dass die Engel, Gott und alle Spirits, die da draußen sein mögen, meine Gedanken von mir nehmen.

Es ist dann einfacher für mich, aus meinen Gedanken auszusteigen, weil ich weiß, dass das Universum sie für mich hält, quasi wie eine iCloud.

9. Priorisiere Meditieren höher als Schlaf

Uh, das ist ein taffer Tipp! Auch ich traue mich erst kürzlich an dieses Level. Die Idee ist, dass du wirklich jeden Morgen zu deiner festen Zeit, sagen wir 6 Uhr, meditierst. Auch am Wochenende und nach der durchgefeierten Nacht!

Damit suggerierst du deinem Ego, dass du es verdammt ernst meinst; Dass du dich nicht von seinen Geplapper wie „Ich bin verkatert, ich kann nicht“ einlullen lässt. Wenn du das 40 Tage durchhältst, kannst du regelrecht beobachten, wie dein Ego schrumpft und du immer gesündere Entscheidungen für dich triffst, wie zum Beispiel weniger zu trinken und früher ins Bett zu gehen.

10. Belohne dich

Behalte im Hinterkopf, dass dein Ego sich wie ein kleines Kind verhält. Du kannst mit ihm Spielen, es mit attraktiven Angeboten herauslocken und dann nach und nach abschmelzen. Deshalb solltest du es auch immer belohnen, wenn es sich auf den Meditationsdeal mit dir eingelassen hat.

Mein Deal sieht wie folgt aus: 2 Stunden Kundlaini Yoga und Meditation und anschließend gibt es zur Belohnung ein leckeres Frühstück, Kaffee und eine entspannte Lese-Stunde.

„Das geht sich natürlich nur aus, wenn wir früh aufstehen“, sage ich ihm dann immer.

Teile deine Erfahrungen mit mir! Ab damit in die Kommentare! Ich freue mich, von dir zu lesen. 

Shine bright and meditate,

Deine Franziska